In Baku hat Michaela Polleres am Donnerstag ein Signal gesetzt: Die 29-jährige Niederösterreicherin gewann bei der Judo-Weltmeisterschaft die Silbermedaille in der Klasse bis 70 Kilogramm und beendete damit eine lang anhaltende Durststrecke österreichischer Athletinnen und Athleten auf der WM-Bühne.
Weg ins Finale: Konstanz und große Kämpfe
Polleres demonstrierte in Pool C eindrucksvolle Form und setzte sich mit Siegen gegen renommierte Gegnerinnen an die Spitze der Gruppe. Zu ihren Stationen in Baku gehörten Erfolge gegen Melissa Myers (USA), die australische Nummer zwei Aoife Coughlan, Yerang Lee (KOR) und Madina Taimasowa (RUS). Im Halbfinale warf sie die Deutsche Giovanna Scoccimarro auf die Matte – eine Revanche für die Halbfinalniederlage von 2023.
Finale: Knappes Ende im Golden Score
Erst im Endkampf fand Polleres in der Spanierin Ai Tsunoda Roustant ihre Meisterin. Nach zwei Verwarnungen in der regulären Kampfzeit erhielt Polleres im Golden Score die dritte Gelbe Karte und musste damit den Sieg und das Gold der 24-jährigen Spanierin überlassen. Es war das siebente Duell zwischen den beiden – Roustant feierte damit den fünften Erfolg in der direkten Bilanz.
"Jetzt freue ich mich irrsinnig. Direkt nach dem Finale war ich natürlich sehr traurig",
Mit diesen Worten fasste Polleres ihre Gefühlslage unmittelbar nach dem Kampf zusammen. Sie betonte zugleich, dass es ein "saustarker Tag" gewesen sei, an dem sie sich so kraftvoll gefühlt habe wie lange nicht. Das verlorene Finale schmerzte dennoch: Gegen die etwas kleinere Gegnerin sei sie "nicht wirklich zurechtgekommen"; einmal war sie sehr nahe dran, die Spanierin zu werfen, doch der Wurf wollte nicht gelingen.
Bedeutung und Einordnung
Für Polleres ist diese Silbermedaille der bisher größte Erfolg bei Judo-Weltmeisterschaften. Zuvor hatte sie bereits WM-Bronze 2023 erobert; auch 2021 stand sie in Budapest auf dem Podest. Mit dem Einzug ins Finale setzt sie einen deutlichen Akzent für den österreichischen Judosport und beendet eine Phase ohne WM-Medaillen. Die Leistung in Baku zeigt Kontinuität und internationale Konkurrenzfähigkeit auf hohem Niveau.
- Athletin: Michaela Polleres, 29 Jahre, Niederösterreich
- Wettkampfklasse: bis 70 kg
- Endplatzierung: Silbermedaille
- Finalgegnerin: Ai Tsunoda Roustant (Spanien), 24 Jahre
| Runde | Gegnerin | Nation |
|---|---|---|
| Pool C | Melissa Myers | USA |
| Pool C | Aoife Coughlan | AUT (Australien) |
| Pool C | Yerang Lee | KOR |
| Pool C | Madina Taimasowa | RUS |
| Halbfinale | Giovanna Scoccimarro | GER |
| Finale | Ai Tsunoda Roustant | ESP |
Die Silbermedaille von Polleres ist nicht nur ein persönlicher Höhepunkt, sondern auch ein Signal für die heimische Sportlandschaft: Internationale Spitzenplätze sind erreichbar, wenn Athletinnen über Jahre hinweg Konstanz, Technik und Wettkampfhärte verbinden. Für Polleres selbst markiert das Finale in Baku den bislang höchsten Punkt ihrer WM-Karriere und setzt eine Botschaft an die Konkurrenz – und an den heimischen Nachwuchs.
Ob dieser Erfolg nun weiteren Rückenwind für die österreichischen Judoka bringt, hängt von den kommenden Monaten und der Fähigkeit ab, diese Leistung in Konstanz zu übertragen. Klar ist: Mit dieser Silbermedaille hat Michaela Polleres ein Ausrufezeichen gesetzt – national und international.