Strategieprozess abgeschlossen – Handlungsspielraum begrenzt
Der seit März 2024 laufende Strategieprozess zur Verkehrssituation in der Stadt Liezen ist abgeschlossen. Untersucht wurden Maßnahmen zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit der B 320 Ennstalstraße im Gemeindegebiet. Beteiligte waren die Stadtgemeinde, das Land Steiermark, regionale Vertreterinnen und Vertreter sowie weitere Stakeholder. Die Analyse gliederte den betroffenen Streckenabschnitt in sechs Module und erfolgte in zwei Stufen: zuerst eine verkehrliche Wirkungsbetrachtung, anschließend eine volkswirtschaftliche Nutzen-Kosten-Analyse.
Nach der ersten Bewertungsrunde fielen die Module 1 und 2 aus, weil sie kaum zur Zielerreichung beitragen. Aus den verbleibenden Bereichen kristallisierte sich fachlich die Variante „Fly-over mit Ampel" als vorteilhaft heraus.
Was die empfohlene Variante vorsieht
Die fachlich beste Lösung sieht vor, den Durchzugsverkehr der B 320 über eine Brücke (Fly-over) zu führen, die den Kreisverkehr beim Bellaflora überquert. Ergänzt würde diese Maßnahme durch eine südliche Begleitstraße zur Erschließung der Handelsbetriebe sowie Ausbauten an den Kreuzungen beim McDonald's und bei Huemer. Zudem sind Verbesserungen für Geh- und Radwege sowie Anpassungen im Gemeindestraßennetz vorgesehen.
- Betroffene Module: 3 bis 6 (Huemerkreuzung, McDonald's-Kreuzung, Bereich Kika, Kreisverkehr Liezen Ost)
- Schwerpunkte: Fly-over über Kreisverkehr Bellaflora, südliche Begleitstraße, Kreuzungsumbauten
- Begleitmaßnahmen: Geh- und Radweganpassungen, lokale Erschließungsmaßnahmen
Nutzen bleibt begrenzt – Fahrzeitverkürzung in Sekunden
Die Berechnungen zeigen, dass die Zeitersparnis durch die vorgeschlagenen baulichen Eingriffe vergleichsweise gering ausfällt. Konkret ergibt sich eine mittlere Verkürzung der Fahrzeit durch Liezen von etwa 45 Sekunden pro Fahrtrichtung an Werktagen und rund 33 Sekunden an Samstagen. Vor diesem Hintergrund und angesichts der hohen Investitionskosten wird derzeit auf eine Umsetzung baulicher Maßnahmen verzichtet.
| Tag | Mittlere Fahrzeitverkürzung pro Fahrtrichtung |
|---|---|
| Werktage | 45 Sekunden |
| Samstage | 33 Sekunden |
Für Pendlerinnen und Pendler, Gewerbetreibende und Besucherinnen und Besucher der Einkaufszonen bedeutet das: Die unmittelbar spürbare Verbesserung der Verkehrsabwicklung wäre gering. Gleichzeitig wären die Gemeinde und das Land mit hohen Bau- und Folgekosten konfrontiert.
Konsequenzen und offene Fragen für Liezen
Die Entscheidung, vorerst keine baulichen Maßnahmen zu setzen, hat mehrere praktische Auswirkungen: Kurzfristig bleibt der Verkehr auf der B 320 unverändert organisiert; mittelfristig wird weiterer Diskussionsbedarf bleiben, etwa zu Fragen der Priorisierung von Fuß- und Radverkehr, zur Finanzierung möglicher späterer Ausbauten und zur Auswirkung auf den Einzelhandel entlang der Ennstalstraße. Die Studie liefert eine fachliche Basis, nun sind politische Entscheidungen zur Prioritätensetzung und zur Kostenübernahme erforderlich.
Für die Bürgerinnen und Bürger im Bezirk Liezen ist wichtig zu wissen: Es existiert eine technisch sinnvolle Lösung, diese hat aber ein ungünstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis. Maßnahmen mit lokal spürbarem Effekt – beispielsweise punktuelle Verbesserungen an Fuß- und Radwegen oder verkehrslenkende Maßnahmen im Gemeindestraßennetz – bleiben mögliche Alternativen, deren Prüfung auf kommunaler Ebene weitergeführt werden dürfte.