Sommerbedingter Rückgang trifft Blutversorgung
Wie das Rote Kreuz berichtet, geht in den Sommermonaten die Zahl der Blutspenderinnen und -spender zurück. In Wien liegt der Rückgang seit Ferienbeginn bei etwa 15 Prozent. Österreichweit geben nach Angaben der Organisation rund 3,4 Prozent der spendenfähigen Bevölkerung Blut, in Wien sind es lediglich 1,7 Prozent.
Wozu die Konserven gebraucht werden
Blutkonserven sind Teil des täglichen medizinischen Betriebs: Sie werden nach Angaben des Roten Kreuzes unter anderem für Operationen, die Behandlung von Krebspatientinnen und -patienten, für Geburten und für Notfälle benötigt. Ein saisonaler Rückgang der Spendenbereitschaft stellt daher eine Herausforderung für die Versorgung dar.
Regeln für Spenderinnen und Spender
Derzeit gelten die folgenden Alterseinschränkungen und Ausschlussgründe:
- Erlaubt ist die Blutspende für Personen im Alter von 18 bis 70 Jahren, wobei Erstspenderinnen und Erstspender nicht älter als 60 Jahre sein dürfen.
- Ausschlusskriterien sind unter anderem gesundheitliche Probleme, frische Piercings oder Tätowierungen sowie Stillzeit.
- Die Spenderinnen und Spender müssen die deutsche Sprache beherrschen, damit die Fragen zur Vorgeschichte sicher geklärt werden können.
Debatte um Altersgrenze: Rotes Kreuz skeptisch
Vor dem Hintergrund der sinkenden Spendenzahlen wurde die Frage aufgeworfen, ob die obere Altersgrenze angehoben werden sollte. Das Rote Kreuz lehnt eine solche Ausweitung ab und verweist auf medizinische Gründe. Simon Gänsdorfer, Leiter der Blutspende für Wien, Niederösterreich und das Burgenland, machte in einem Interview deutlich, dass er die Anhebung kritisch sieht:
„Es scheint schon sinnvoll zu sein, eine Grenze zu ziehen. Daten deuten darauf hin, dass mit zunehmendem Alter auch der Stoffwechsel langsamer wird und das Nachbilden nicht mehr so gut funktioniert.“
Gleichzeitig verweist Gänsdorfer auf ein strukturelles Phänomen: In Ballungsräumen spenden weniger Menschen regelmäßig Blut als in ländlichen Regionen. Ein Grund dafür sei, dass Blutspenden auf dem Land häufig als gemeinschaftliches Ereignis wahrgenommen würden, während in Städten diese soziale Komponente weniger ausgeprägt sei.
Sprache als Sicherheitskriterium
Das Rote Kreuz betont, dass die Sprachvoraussetzung nicht willkürlich sei: Der Fragebogen diene dem Schutz der Spenderinnen und Spender – etwa bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme – sowie dem Empfängerschutz. Vor diesem Hintergrund werde an der Forderung, die deutsche Sprachkompetenz als Voraussetzung zu lockern, nicht gerüttelt.
| Indikator | Wert |
|---|---|
| Anteil spendenfähiger Bevölkerung (Österreich) | 3,4 % |
| Anteil Spender in Wien | 1,7 % |
| Sommerlicher Rückgang in Wien (seit Ferienbeginn) | 15 % |
| Altersbereich für Blutspende | 18–70 Jahre (Erstspender bis max. 60) |
Folgen und Ausblick
Der saisonale Einbruch der Spenderzahlen kann kurzfristig die Verfügbarkeit bestimmter Blutgruppen und Konserven einschränken. Langfristig stellt sich die Frage, wie die Spendenbereitschaft in urbanen Gebieten gesteigert werden kann, ohne Sicherheitsstandards zu senken. Die Entscheidung, an bestehenden Ausschlusskriterien und der Altersgrenze festzuhalten, signalisiert, dass das Rote Kreuz Vorsicht walten lässt, um Spender- und Empfängerschutz zu gewährleisten.
Maßnahmen, die in der Debatte genannt werden, zielen einerseits auf Werbung und Organisation – etwa verstärkte Aktionen in Städten und das Bewerben von Blutspende-Terminen als sozialem Ereignis – andererseits auf die Bewahrung medizinischer Standards. Konkrete Änderungen an den Kriterien gab das Rote Kreuz in der zitierten Stellungnahme nicht bekannt.