In einem der entlegensten Regenwaldgebiete Neuguineas haben Forscher mehrere bemerkenswerte Fundmeldungen bestätigt. Ein Team um James Kempton (Royal Botanic Gardens, Kew) und Malcolm Kobak (Organisation Yappenda) drang 2023 in die Zyklopenberge vor und konnte laut den veröffentlichten Ergebnissen drei beachtenswerte Arten dokumentieren – darunter die seit Jahren verschollene Zyklopenralle (Rallicula mayri).
Wiedersehen nach Jahrzehnten
Die Zyklopenralle war zuletzt 2007 in den Foja-Bergen Neuguineas nachgewiesen worden; ihr Erstnachweis in der Region datiert auf das Jahr 1928, als der Biologe Ernst Mayr die Art beschrieb. Während der Expedition wurden Kamerafallen installiert, die über einen Zeitraum von neun Monaten mehr als 38.000 Bilder lieferten. Aus diesen Aufnahmen gelang der Nachweis der Ralle in insgesamt sechs Fällen – die ersten dokumentierten Fotografien seit den frühen 2000er-Jahren.
Weitere Arten und veränderte Höhenverbreitung
Neben der Ralle meldeten die Forschenden das Vorkommen des Attenborough-Langschnabeligels (Zaglossus attenboroughi) und des Mayrhonigfressers (Ptiloprora mayri). Zusätzlich ergaben die Untersuchungen, dass einige Vogelarten höher in den Gebirgshängen vorkommen als bisher angenommen. Als Beispiele nennt das Team:
- den Goldlaubenvogel (Sericulus aureus) als bisher außerhalb der Zyklopenberge dokumentierte Art,
- und den Einlappenkasuar (Casuarius unappendiculatus), der in der Expedition in Höhenstufen gefunden wurde, die um 1.000 Höhenmeter über den zuvor angenommenen Vorkommensbereichen liegen.
Bedeutung für Forschung und Schutz
Die Ergebnisse unterstreichen, wie lückenhaft das Wissen über die Fauna in Teilen Neuguineas weiterhin ist. Die Kombination aus schwer zugänglichem Gelände und dichtem Unterholz macht systematische Bestandsaufnahmen schwierig – Rallen gelten außerdem als besonders scheu und daher schwer nachzuweisen. Die Verwendung von Kamerafallen hat hier einen Schlüsselbeitrag geliefert, weil sie auch heimliche, bodenbewohnende Arten erfassen können.
Konsequenzen und offene Fragen
Die Nachweise sind nicht automatisch ein Indiz für stabile Populationen; vielmehr heben sie die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen hervor, um Bestandstrends, Habitatbedarf und mögliche Bedrohungen zu beurteilen. Für Schutzmaßnahmen wären verlässliche Daten zur Verbreitung und zu Gefährdungsfaktoren unabdingbar – etwa zu Lebensraumverlust, Jagddruck oder Klimawandelfolgen in verschiedenen Höhenstufen.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Expeditionsjahr | 2023 |
| Dauer Kamerafallenaufnahmen | 9 Monate |
| Bildanzahl | 38.000 |
| Fotografische Nachweise der Ralle | 6 |
| Letzter Nachweis der Ralle (vor 2023) | 2007 |
Die Dokumentation aus den Zyklopenbergen bietet wertvolle Ansatzpunkte für weiterführende Forschung und veranschaulicht, wie viel biologische Vielfalt in schwer erforschten Regionen noch verborgen liegen kann. Zugleich erinnert sie daran, dass Nachweise allein nicht ausreichen: Langfristige Monitoringprogramme und Schutzstrategien sind erforderlich, um diese Arten zu erhalten.