Warum die berufliche Bildung jetzt bundesweit Priorität braucht
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) legt in einem Impulspapier vom 9. Juli dar, dass die Ausbildung in Betrieben und berufliche Weiterbildung deutlich gestärkt werden müssen, um dem anhaltenden Fachkräftemangel und dem raschen technologischen Wandel zu begegnen. Gefordert wird, die berufliche Bildung zur Chefsache zu machen und fünf zentrale Handlungsfelder konsequent anzugehen.
Kernthemen des DIHK-Papiers
Im Zentrum stehen Maßnahmen, die junge Menschen beim Übergang in die Ausbildung unterstützen und Beschäftigte für neue Anforderungen rüsten. Das Papier nennt unter anderem:
- Bessere Berufsorientierung an Schulen und in Betrieben, damit Ausbildungswahl und Arbeitsmarktbedürfnisse besser zusammenpassen
- Gezielte Vorbereitungs- und Unterstützungsangebote für Ausbildungsbeginne, etwa für Lernkompetenzen und Praxisintegration
- Sprachförderung als Schlüsselelement, damit Auszubildende erfolgreich im Betrieb mitarbeiten können
- Mehr Digitalisierung und Flexibilisierung der Bildungsangebote, um lebenslanges Lernen zu ermöglichen
- Anpassung der Höheren Berufsbildung an aktuelle Marktanforderungen
Wie KI und Digitalisierung die betriebliche Bildung verändern
Die DIHK betont, dass der Einsatz Künstlicher Intelligenz die betriebliche Weiterbildung stark beeinflusst. Studien, die im Papier zitiert werden, sehen ein erhebliches Produktivitätspotenzial durch KI in Deutschland. Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass die Nutzung von KI-Anwendungen in Unternehmen noch nicht flächendeckend angekommen ist und strukturelle Anpassungen in Weiterbildungskonzepten nötig sind.
| Kennzahl | Angabe |
|---|---|
| Arbeitgeber, die Online-Weiterbildung während der Arbeitszeit ermöglichen | 50 % |
| Unternehmen, die KI als Produktivitätstreiber sehen | 86 % |
| Beschäftigte mit Zugang zu KI-Anwendungen | 38 % |
| Beschäftigte, die KI aktiv nutzen | 27 % |
| Beschäftigte, die Stellenabbau durch KI berichten | 22 % |
| Geschätztes Produktivitätspotenzial durch KI (Deutschland) | 486 Mrd. USD |
| Prognose: Neudefinition von Jobs pro Tag ab 2028 | 150.000 |
Konkrete Folgen für Eltern, Schülerinnen und Schüler
Für Familien und junge Menschen heißt die DIHK-Initiative konkret: mehr Orientierung vor der Berufswahl, zusätzliche Vorbereitungskurse vor Ausbildungsbeginn und eine bessere sprachliche Unterstützung für Lernende mit anderer Erstsprache. Zugleich wächst die Bedeutung digitaler Kompetenzen und der Fähigkeit, mit KI-Tools umzugehen — sowohl für die Ausbildung selbst als auch für spätere Beschäftigungsverhältnisse.
Was Schülerinnen, Schüler und Eltern jetzt tun können
- Nutzen Sie Berufsorientierungsangebote von Schulen und Kammern frühzeitig, um Ausbildungswege und Interessen zu prüfen.
- Sprechen Sie mit Betrieben über konkrete Unterstützungsangebote beim Ausbildungsstart (z. B. Vorbereitungskurse, Patenschaften).
- Erkundigen Sie sich nach Sprachförderprogrammen, falls Deutschkenntnisse zusätzliche Unterstützung brauchen.
- Informieren Sie sich über Weiterbildungsangebote und die Möglichkeit, Online-Kurse während der Arbeitszeit zu absolvieren.
Die DIHK fordert damit eine koordinierte Anstrengung von Politik, Bildungseinrichtungen und Unternehmen. Für Eltern und Lernende bedeutet das mehr Angebote und flexiblere Wege in Ausbildung und Weiterbildung — vorausgesetzt, die vorgeschlagenen Maßnahmen werden auf Bundesebene umgesetzt und ausreichend finanziert.