Die diesjährige Woche der Landwirtschaft steht im Zeichen der Frauen auf den Höfen: Die UNO hat 2026 das Jahr der Bäuerin ausgerufen; die Landwirtschaftskammer macht unter dem Motto „Wo Bäuerinnen wirken, wächst Zukunft” die Leistungen sichtbar. Für den Bezirk Weiz ist dies kein abstraktes Thema: Die Steiermark weist einen Anteil von 38 Prozent an Betriebsleiterinnen auf, leicht über dem Österreichschnitt von 36 Prozent. Auf die rund 2.600 Betriebe im Bezirk lässt sich dieser Wert übertragen und signalisiert eine substanzielle Rolle von Frauen in der regionalen Landwirtschaft.
Mehr Stimmen, andere Wege
Funktionäre der Landwirtschaftskammer, darunter Bezirksobmann Josef Wumbauer und Kammersekretär Johann Rath, betonen die Bedeutung der Sichtbarkeit und Vertretung der Bäuerinnen. Als wichtiges Sprachrohr gilt die Landesbäuerin Ursula Reiter aus Gleisdorf, die die Rolle von Quereinsteigerinnen hervorhebt:
„Vor allem Quereinsteigerinnen bringen neues Wissen und neue Perspektiven auf die Höfe, entwickeln eigene Standbeine, übernehmen Verantwortung und tragen wesentlich zur Weiterentwicklung der Höfe bei.”
Solche Entwicklungen sind auch regional spürbar: Junge Frauen mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen treten in die Betriebe ein, bringen Know‑how aus der Gastronomie, dem Handel oder der Dienstleistung mit und erweitern so die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Höfe.
Ein konkretes Beispiel aus dem Bezirk
Die 30-jährige Julia Flicker aus St. Kathrein am Offenegg steht exemplarisch für diese Entwicklung. Als gelernte Köchin und Kellnerin mit Station in London kehrte sie in die Heimat zurück, fand einen Lebenspartner und blieb auf dem Hof in der Oststeiermark. Sie ist zweifache Mutter und widerspricht gängigen Klischees über Frauen in der Landwirtschaft:
„Es ist nicht so, wie es sich viele vorstellen, dass man nur in der Küche steht.”
Flicker ist am Hof in vielfältigen Bereichen tätig und trägt so zur Modernisierung und Sicherung des Betriebs bei.
Was bedeutet das für den Bezirk Weiz?
- Arbeitsmarkt: Frauen an der Betriebsleitung diversifizieren Qualifikationen und Arbeitsweisen, was neue Einkommensquellen schaffen kann.
- Dorfleben: Die Präsenz junger Familien und Quereinsteigerinnen stabilisiert ländliche Infrastrukturen und kann Nachfrage für lokale Dienstleistungen erhöhen.
- Bildung & Beratung: Bedarf an Weiterbildung, betriebswirtschaftlicher Beratung und technischen Schulungen für neue Betriebsmodelle wächst.
Für Betriebe im Bezirk Weiz stellt sich damit die Aufgabe, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Frauen in Führungsrollen fördern: flexible Kinderbetreuung, zielgerichtete Förderprogramme und regionale Netzwerke können diese Entwicklung unterstützen. Die Landwirtschaftskammer wird die Aktivitäten zur Sichtbarkeit und Unterstützung von Bäuerinnen in den kommenden Monaten begleiten.
| Indikator | Wert |
|---|---|
| Anteil Betriebsleiterinnen (Steiermark) | 38 % |
| Österreichschnitt | 36 % |
| Betriebe im Bezirk Weiz | ~2.600 |
Die Initiative zur stärkeren Sichtbarkeit der Bäuerinnen knüpft an reale Zahlen und an konkrete Beispiele aus dem Bezirk an. Für Landwirtinnen, ihre Familien und die Gemeinden im Bezirk Weiz bedeutet das: mehr Verantwortung, mehr Chancen und ein erhöhter Bedarf an regionaler Unterstützung.