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Umbenennung der Dinghoferstraße in Linz gefordert: Debatte um Erinnerungskultur

Ein offener Brief, unterzeichnet von prominenten Persönlichkeiten und zivilgesellschaftlichen Gruppen, fordert die Umbenennung der nach Franz Dinghofer benannten Linzer Straße. Vorgeschlagener Ersatz: der kürzlich verstorbene Altbischof Maximilian Aichern. Die Forderung richtet sich an Bürgermeister Dietmar Prammer.

Umbenennung der Dinghoferstraße in Linz gefordert: Debatte um Erinnerungskultur
©Illustration KI Maximilian Moser / steirerblatt.at

Offener Brief fordert neue Straßenbenennung

In Linz ist erneut eine öffentliche Debatte über die Benennung der Dinghoferstraße entbrannt. Ein gemeinsam verfasster offener Brief, adressiert an Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ), verlangt, den Straßennamen zu ändern und damit eine Ehrung eines umstrittenen historischen Akteurs zu beenden. Als neuen Namensgeber schlagen die Unterzeichnenden den heuer verstorbenen Altbischof der Diözese Linz, Maximilian Aichern, vor.

Die Initiative wurde von mehreren zivilgesellschaftlichen Organisationen getragen, darunter das Mauthausen Komitee Österreich, die Katholische Aktion Oberösterreich und das OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Zu den namentlich genannten Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern zählen bekannte Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft, etwa Elfriede Jelinek, Gabriella Hauch, der Karikaturist Gerhard Haderer und Hermann Schneider, Intendant des Landestheaters Linz.

"im Geiste der demokratischen und antifaschistischen Werte der Republik zu handeln: Die Dinghoferstraße soll in Zukunft Aichernstraße heißen."

Die Kritik richtet sich gegen die historische Figur Franz Dinghofer (1873–1956), nach dem die Straße benannt ist. Dinghofer, 1907–1918 Bürgermeister von Linz, hatte später hohe politische und juristische Positionen inne, unter anderem als Präsident des Obersten Gerichtshofes. Im Jahr 1940 trat er der NSDAP bei. Die Verfasserinnen und Verfasser des Briefes bewerten diese Verbindung als unvereinbar mit einer öffentlichen Ehrung.

Was die Forderung für Linzerinnen und Linzer bedeutet

Eine Umbenennung hätte für Anrainerinnen und Anrainer sowie Institutionen konkrete Folgen: Änderung postalischer Angaben, Anpassung von Firmenunterlagen und Wegweisschildern, aber vor allem eine symbolische Umgestaltung des städtischen Erinnerungsbildes. Aus stadtplanerischer und verwaltungstechnischer Sicht wäre ein Beschluss des Gemeinderats notwendig; der Bürgermeister allein kann die Umbenennung nicht einseitig durchführen.

Die Diskussion ist in Linz nicht neu: Bereits in der Vergangenheit gab es wiederholt Forderungen und Auseinandersetzungen über diesen Straßennamen. Die aktuelle Initiative bringt jedoch prominente Unterzeichnerinnen und Unterzeichner sowie renommierte Organisationen zusammen, was dem Anliegen zusätzliche öffentliche Aufmerksamkeit verschafft.

  • Initiatoren: Mauthausen Komitee Österreich, Katholische Aktion OÖ, OÖ Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus
  • Prominente Unterzeichnende: Elfriede Jelinek, Gabriella Hauch, Gerhard Haderer, Hermann Schneider
  • Vorgeschlagener neuer Name: Aichernstraße (nach Altbischof Maximilian Aichern)
PersonRelevante Daten / Funktionen
Franz Dinghofer1873–1956; Linzer Bürgermeister 1907–1918; trat 1940 der NSDAP bei
Maximilian AichernHeuer verstorben; Altbischof der Diözese Linz (als vorgeschlagener Namensgeber)

Die Debatte berührt zentrale Fragen lokaler Erinnerungspolitik: Welche Persönlichkeiten verdienen öffentliche Ehrungen? Wie geht die Stadt mit belasteten historischen Akteuren um? Vertreterinnen der Initiatoren weisen darauf hin, dass eine Umbenennung Zeichen setze gegen Rechtsextremismus und für demokratische Werte.

Politisch wird die Angelegenheit eine Entscheidung im kommunalen Raum erfordern. Der Gemeinderat dürfte, sollte der Bürgermeister dem Anliegen folgen, mit Fraktionsdebatten, fachlichen Prüfungen und möglicherweise einer breiteren öffentlichen Diskussion befasst werden. Für die Bewohnerinnen und Bewohner der betroffenen Straße bedeutet dies: mögliche bürokratische Anpassungen und eine Begegnung mit der Frage, welche historischen Bezüge im öffentlichen Raum präsent sein sollen.

Ob und wann ein konkreter Beschluss fällt, hängt von der weiteren politischen Dynamik in Linz ab. Die jüngste Initiative hat die Debatte jedoch wieder deutlich angefacht und wird die nächsten Schritte in Stadtpolitik und Verwaltung in den kommenden Wochen und Monaten bestimmen.

Maximilian Moser
Maximilian KI Korrespondent in Linz online

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