In Linz sorgt die jüngste Eröffnung eines weiteren Wettlokals in der südlichen Landstraße für politischen Unmut. Wirtschafts-Stadtrat Thomas Gegenhuber (SPÖ) fordert eine Änderung des oberösterreichischen Wettgesetzes, damit die Stadt verstärkt Einfluss auf die Genehmigung von Wettbüro-Standorten nehmen kann. Auch Vizebürgermeister Martin Hajart (ÖVP) unterstützt diese Forderung.
Kommunale Verantwortung versus landesweite Zuständigkeit
Derzeit regelt das oberösterreichische Wettgesetz die Bewilligung von Wettbüros, womit die Entscheidungskompetenz beim Land liegt. Die Stadt Linz gibt zwar bei Genehmigungsverfahren als Standortgemeinde regelmäßig Stellungnahmen ab und spricht sich gegen neue Wettlokale aus, sieht sich jedoch rechtlich beschränkt: Die Stadt könne zwar warnen, habe aber keine wirksame Blockademöglichkeit.
Warum die Stadt ein Mitspracherecht fordert
Gegenhuber betont die lokalen Folgen: Wettbüros könnten sich zu sozialen Brennpunkten entwickeln und weitreichende Auswirkungen haben. Er verweist dabei auf mögliche Folgen für spielsüchtige Menschen, Anrainer und benachbarte Unternehmen, die eine Abwertung ihrer Umgebung befürchten.
„Wettbüros entwickeln sich häufig zu sozialen Brennpunkten mit weitreichenden Folgen – nicht nur für spielsüchtige Menschen, die ihre Existenz aufs Spiel setzen, sondern auch für Anrainer sowie angrenzende Unternehmen, die mit einer Abwertung ihrer Geschäftsumgebung konfrontiert sind“,
Die SPÖ-Fraktion brachte bereits am 28. Mai 2026 einen Antrag im Gemeinderat ein, der rechtliche Änderungen im oö. Wettgesetz verlangen sollte, damit Städte und Gemeinden „aktive Mitsprache“ erhalten. Der Antrag wurde demnach einstimmig angenommen.
Konkrete Forderungen und mögliche Auswirkungen
Vizebürgermeister Hajart fordert ebenfalls eine Verschärfung des Landesrechts und wirksame Instrumente gegen eine übermäßige Konzentration von Wettlokalen, die seiner Ansicht nach ganze Straßenzüge in ihrer Attraktivität beeinträchtigen könnten.
- Kurzfristig: Die Stadt spricht sich weiterhin in Stellungnahmen gegen neue Standorte aus.
- Mittelfristig: Anpassung des Landesrechts wird gefordert, damit Gemeinden Eingriffsmöglichkeiten erhalten.
- Für Anrainer: Erwartung von besserer kommunaler Steuerungsmöglichkeit und Schutz vor negativen Folgen.
Wer ist gefordert?
Die Stadt Linz richtet ihre Erwartung an die oberösterreichische Landesregierung und speziell an die zuständigen Landesstellen, das Wettgesetz so zu überarbeiten, dass Kommunen ein echtes Mitspracherecht bei der Bewilligung von Wettbüros bekommen. Ein dynamisches Nebeneinander von Landeskompetenzen und kommunaler Lebenswirklichkeit steht damit im Fokus der Auseinandersetzung.
| Akteur | Forderung / Position |
|---|---|
| Stadt Linz (SPÖ) | Mitsprache bei Bewilligungen, Gesetzesänderung auf Landesebene |
| Vizebürgermeister (ÖVP) | Verschärfung des Wettgesetzes, Instrumente gegen Konzentration |
Für Linzerinnen und Linzer bedeutet die Debatte: Sollte das Land die gewünschten Änderungen vornehmen, könnten künftig lokale Belange wie Fußgängerfrequenz, Nähe zu sozialen Anlaufstellen oder die Dichte von Wettlokalen bei Genehmigungsentscheidungen stärker berücksichtigt werden. Bis dahin bleibt die Stadt auf die Rolle als beratende Stellungnahme beschränkt.