Wie Karten Wirklichkeit formten: Ausstellung im Stift Klosterneuburg
Das Stift Klosterneuburg hat seine Jahresausstellung 2026 unter das Thema „Karten auf den Tisch" gestellt. Die Schau untersucht, wie Menschen über Jahrhunderte die Welt sahen und wie sehr geographische Darstellungen in der Übertragung auf Papier Größen und Formen verzerren können. Für die Bevölkerung von Klosterneuburg und der Region bietet die Ausstellung einen direkten Zugang zu historischen Quellen und zu modernen digitalen Vermittlungsformen.
Der Rundgang führt entlang von historischen Karten sowie weiteren Dokumenten, die zeigen, dass eine Weltkarte nie vollkommen neutral ist. So werden für Besucherinnen und Besucher anschaulich die bekannten Verzerrungen erklärt: Afrika erscheint auf vielen traditionellen Projektionen zu klein, Russland wirkt im Vergleich zu anderen Kontinenten ungewöhnlich lang. Diese Effekte lassen sich in der Ausstellung unter anderem in der Sala Terrena digital erkunden.
Die Auswahl der ausgestellten Objekte ist breit angelegt. Zu den Exponaten zählen eine Handschrift aus dem 11. Jahrhundert sowie Darstellungen aus dem Mittelalter. Besonders augenfällig sind Karten aus Zeiten, in denen Amerika und Australien auf europäischen Darstellungen noch fehlen – ein Hinweis auf das historische Bewusstsein und dessen Wandel.
- Jahrhundertealte Karten mit fehlenden Kontinenten
- Digitales Angebot in der Sala Terrena zur Untersuchung von Verzerrungen
- Persönliche Reiseberichte aus dem 19. Jahrhundert, die Alltagsmobilität und Behördenpraxis zeigen
Die Ausstellung beleuchtet auch konkrete Reiseerfahrungen: Zwei Chorherren dokumentierten 1835 eine Reise, die sie in Summe 42 Tage nach München führte. Ein weiteres Exponat verweist darauf, dass eine Klosterneuburger Dienstmagd im 19. Jahrhundert für einen Tagesausflug nach Wien einen Reisepass benötigte. Solche Beispiele machen deutlich, wie sehr Zeit- und Mobilitätsverhältnisse sowie bürokratische Voraussetzungen das Reisen früher prägten.
| Aspekt | Inhalt laut Ausstellung |
|---|---|
| Zeiträume | Mittelalter bis 19. Jahrhundert, u. a. Handschrift aus dem 11. Jh. |
| Besondere Exponate | Karten ohne Amerika/Australien, Reiseberichte 1835, Dienstmagd mit Reisepass |
| Interaktive Elemente | Digitale Erkundung von Kartenverzerrungen in der Sala Terrena |
| Laufzeit | Bis Mitte November 2026 |
Für Klosterneuburg hat die Ausstellung Bedeutung in mehrfacher Hinsicht: Sie stärkt das kulturelle Angebot des Stifts als zentralem Ausstellungsort, spricht sowohl Einheimische als auch Besucherinnen und Besucher an und liefert lokal greifbare Einblicke in historische Alltagsrealitäten. Die Kombination aus originalen Dokumenten und digitalen Vermittlungsformen erleichtert den Zugang für verschiedene Altersgruppen.
Die Schau ist bis Mitte November 2026 zu sehen und lädt dazu ein, die eigenen Vorstellungen von Raum und Größe zu hinterfragen. Für Gemeinden im Bezirk Tulln bleibt das Stift damit ein Ort, an dem kulturhistorische Bildung und touristische Präsenz zusammenlaufen.