Ausstellung im Stift stellt Landkarten und ihre Deutungen in den Mittelpunkt
Im Stift Klosterneuburg ist unter dem Titel „Karten auf den Tisch“ die Jahresausstellung eröffnet worden. Im Fokus stehen Landkarten in ihren unterschiedlichen Formen: von mittelalterlichen Handschriften und großformatigen Wimmelbildern bis zu digitalen, interaktiven Projektionen. Die Schau will nicht nur Karten als technische oder künstlerische Objekte zeigen, sondern die Geschichten und Perspektiven, die sich mit ihnen verbinden.
Die Präsentation nimmt bewusst die Verzerrungen und zentrischen Setzungen in den Blick, die beim Abbilden der dreidimensionalen Welt auf zweidimensionales Papier entstehen. Als Beispiel wird der Eurozentrismus genannt: Bei bestimmten Projektionen erscheint etwa Afrika viel zu klein, Russland überlänglich und Österreich proportional verkleinert – im Vergleich zu Inselstaaten wie Island.
Historische Werke und digitale Zugänge in der Sala Terrena
Die Ausstellung in der Sala Terrena des Stifts erlaubt Besucherinnen und Besuchern, historische Karten mit modernen Mitteln zu erkunden. Neben physischen Exponaten gibt es eine interaktive digitale Karte, mit der die verschiedenen Probleme und Deutungsmuster der Weltkartografie nachvollziehbar gemacht werden sollen. Damit fordert die Schau zur kritischen Auseinandersetzung mit scheinbar objektiven Darstellungen heraus.
Besonders hervorgehoben wird ein kostbares aufgeschlagenes Buch: eine Handschrift aus dem elften Jahrhundert, die „Etymologiae“ des Isidor von Sevilla. Zur Bedeutung dieses Werkes in der Ausstellung wird die Rolle der mittelalterlichen Gelehrsamkeit betont – es diente dem Versuch, die Welt zu erklären und schematisch darzustellen.
„Das ist eine Handschrift aus dem elften Jahrhundert. Es sind die ‚Etymologiae‘ des Isidor von Sevilla. …“
Als weiteres historisches Beispiel wird die Ebstorfer Weltkarte aus dem 13. Jahrhundert genannt: ein kreisrundes, detailreiches Wimmelbild von rund drei Metern Durchmesser, das religiöse Perspektiven sichtbar macht – etwa durch die Darstellung Jesu, der auf der Karte gehalten wird, und durch die Anordnung der Kontinente nach mittelalterlicher Symbolik (Asien oben, Europa links unten, Afrika rechts).
Was die Ausstellung für Klosterneuburgerinnen und Klosterneuburger bedeutet
- Kulturelle Bildung: Die Schau bietet den direkten Zugang zu bedeutenden Handschriften und historischen Kartenbeständen des Stifts.
- Reflexion über Wahrnehmung: Besucherinnen und Besucher können die technischen und ideellen Voraussetzungen von Kartenprojektionen kritisch hinterfragen.
- Touristische Attraktion: Die Kombination aus historischen Originalen und interaktiven Medien stärkt das Angebot für lokale Kulturinteressierte und Gäste.
Die Ausstellung macht deutlich, dass Karten mehr sind als geografische Werkzeuge: Sie spiegeln Weltbilder, religiöse Deutungen und politische Prioritäten der Zeit, in der sie entstanden sind. Für das Stift Klosterneuburg unterstreicht die Schau die Rolle als Bewahrer historischer Schätze und als Ort der Vermittlung – mit unmittelbarem Nutzen für das kulturelle Leben in Klosterneuburg und der weiteren Region.
| Ort | Ausstellung | Hauptstücke |
|---|---|---|
| Stift Klosterneuburg, Sala Terrena | „Karten auf den Tisch“ | Hands chrift: „Etymologiae“ des Isidor von Sevilla; Ebstorfer Weltkarte; interaktive digitale Karte |
Weitere organisatorische Informationen (Öffnungszeiten, Führungstermine) werden vom Stift zur Verfügung gestellt; Interessierte sollten die offiziellen Hinweise des Stifts Klosterneuburg beachten.