Fulminanter Auftakt am Spectrum
Das Spectrum Villach eröffnete sein Theaterfestival mit einer auffälligen und vielschichtigen Produktion: Das Wiener E3 Ensemble präsentierte in Villach die Performance „Eine Ballettoper“. Die Inszenierung verband tänzerische Elemente, opernhafte Gesangspassagen und dadaistisch-dekonstruierte Sprache zu einem politisch-satirischen Bild unserer Gegenwart. Martin Dueller, der künstlerische Leiter des Festivals, hatte damit einen bewusst provokativen Start gewählt.
Form und Inhalt der Performance
Die Darstellerinnen und Darsteller traten mit markanten Kostümen auf — darunter hochgesteckte Turmperücken und bunte Tutus — und näherten sich gesellschaftlichen Themen in überzogener, ironischer Form. Im Zentrum der Aufführung standen Fragestellungen zu Narzissmus, Rücksichtslosigkeit und dem Primat des Stärkeren, thematisiert als Kritik an Verhaltensweisen in Kunst, Politik und privatem Alltag. Musikalisch wurde das Stück kongenial unterstützt: Clemens Sainitzer begleitete die Produktion am Cello und trug damit wesentlich zur atmosphärischen Dichte bei.
Beteiligte Künstlerinnen und Künstler
Das Ensemble bestand aus mehreren Personen, die in Villach auftraten und die zentrale Rollen der Aufführung innehatten. Die im Programm genannten Mitwirkenden sind:
- Antonia Dering
- Lilian Gartner
- Isabella Jeschke
- Leon Lembert
- Michaela Schausberger
- Gerald Walsberger
| Rolle | Name |
|---|---|
| Musikalische Begleitung | Clemens Sainitzer |
| Ensemble | E3 Ensemble (siehe Aufzählung) |
Publikumswirkung und Folgen
Die Aufführung wurde in der Berichterstattung als eindringlich und poetisch beschrieben. Eine besonders präsente Szene zeigte die Metapher, dass Gesellschaften zur Gewinnmaximierung sogar das eigene Mitgefühl «outsourcen» – eine bildstarke Kritik, die beim Publikum nachhallte. Gleichzeitig wurde auf strukturelle Probleme im Kulturbetrieb hingewiesen: Das Ensemble leidet unter Einsparungen und finanziellen Engpässen.
„Um weitere Auftritte überhaupt finanzieren zu können, haben wir ein Crowdfunding-Projekt gestartet.“
Dieser Hinweis verweist auf die Realität vieler freier Gruppen, deren Fortbestand zunehmend von zusätzlichen Finanzierungsformen abhängt. Für das lokale Publikum bedeutet das, dass außergewöhnliche Produktionen häufiger nur temporär oder in begrenztem Umfang angeboten werden können, sofern keine langfristige Förderung gesichert ist.
Vielfalt auf der Bühne — auch lokal
Beim Eröffnungsabend trat zudem der Chor Die Buntmeisen auf, der laut Programm 2025 gegründet wurde und sich der Sichtbarmachung gelebter Diversität in Kärnten verschrieben hat. Ihr Beitrag unterstrich den Anspruch des Festivals, unterschiedliche künstlerische Stimmen zusammenzubringen.
Für die Villacher Kulturszene markiert dieser Festivalauftakt zweierlei: Zum einen die Bereitschaft, experimentelle und politisch reflektierende Aufführungen zu zeigen; zum anderen das anhaltende Spannungsfeld zwischen künstlerischem Anspruch und knappen finanziellen Ressourcen. Zuschauerinnen und Zuschauer, die derartige Produktionen unterstützen wollen, finden neben Ticketkäufen oft Informationen zu Unterstützungsaktionen oder Crowdfunding-Projekten der Künstlerinnen und Künstler, wie beim E3 Ensemble.
Der Erfolg des Abends dürfte dem Spectrum Villach Rückhalt bei seinem Publikum verschaffen. Ob das Festival diesen Kurs künftig weiterverfolgt, hängt auch von der Förderung und dem Interesse der lokalen Kulturträger ab. Für Villach bleibt das Festival ein wichtiger Ort, um zeitgenössische Tendenzen der darstellenden Künste sichtbar zu machen und Diskussionen über Kunst, Gesellschaft und Finanzierung anzustoßen.