Schulübergreifendes Leseprojekt im Stadttheater
Im Stadttheater Gmunden präsentierten Jugendliche aus drei Schulen Auszüge aus Thomas Bernhards autobiografischem Text „Ein Kind“. Die Aufführung markierte den Abschluss eines mehrstufigen Vermittlungsprojekts der Salzkammergut Festwochen Gmunden, in dem die sprachliche und inhaltliche Auseinandersetzung mit Bernhards Sprache im Mittelpunkt stand.
Workshops und künstlerische Begleitung
Über mehrere Workshops hinweg arbeiteten die Teilnehmer:innen intensiv an Textverständnis und Vortrag. Die theaterpädagogische Leitung lag bei Ingrid Porzner. Im zweiten Workshop sowie bei der Aufführung stand der Burgschauspieler Markus Meyer den jungen Leser:innen zur Seite und teilte seine künstlerische Erfahrung. Ziel war es nicht, klassisches Schauspiel zu inszenieren, sondern die Kraft des gesprochenen Wortes zu stärken und Literatur via Stimme und Präsenz erfahrbar zu machen.
Teilnehmende Schulen und Konzept
- Bundesrealgymnasium Gmunden
- BRG Schloß Traunsee
- Oberstufenrealgymnasium der Franziskanerinnen Wels
Die drei Schulen ermöglichten ihren Schüler:innen die Teilnahme und damit einen direkten Zugang zu anspruchsvoller Literatur. Im Mittelpunkt des Projekts standen die Auseinandersetzung mit Sprache, Erinnerung und den großen Fragen nach Zugehörigkeit, Familie und dem eigenen Lebensweg—Fragen, die Bernhard in „Ein Kind“ behandelt und die sich laut Projektteam als überraschend aktuell für die Jugendlichen erwiesen.
Reaktion des Projektteams und Bedeutung für die lokale Kulturarbeit
„Es war beeindruckend zu erleben, mit welcher Offenheit, Ernsthaftigkeit und Begeisterung sich die Jugendlichen auf diesen außergewöhnlichen Text eingelassen haben. Sie haben Bernhards Sprache nicht nur gelesen, sondern sich zu eigen gemacht und ihr eine ganz persönliche Stimme verliehen.“
Dieses Resümee der Salzkammergut Festwochen Gmunden unterstreicht den pädagogischen Erfolg: Durch die Kombination von theaterpädagogischen Methoden und professioneller künstlerischer Begleitung konnten junge Menschen komplexe Texte erschließen und öffentlich präsentieren. Für die lokale Kulturlandschaft zeigt sich darin eine doppelte Wirkung: Zum einen Förderung literarischer Bildung in Schulen, zum anderen Stärkung des Stadttheaters als Ort nicht nur für klassische Aufführungen, sondern auch für Vermittlungsprojekte.
Konkrete Auswirkungen für Gmunden
Für Eltern, Lehrkräfte und Kulturschaffende im Bezirk hat das Projekt mehrere praktische Implikationen: Zum einen demonstriert es, wie schulische Bildung und freie Festivals Synergien bilden können. Zum anderen bietet es ein Modell für weitere Projekte, in denen junge Menschen anspruchsvolle Literatur durch Lesung und Stimme erschließen können. Die Kooperation von Gymnasien aus Gmunden und Wels zeigt zudem, dass regionale Netzwerke Schüler:innen Zugang zu professioneller Kulturvermittlung öffnen können.
| Element | Akteur |
|---|---|
| Leitung theaterpädagogisch | Ingrid Porzner |
| Künstlerische Begleitung | Markus Meyer (Burgschauspieler) |
| Ort | Stadttheater Gmunden |
| Textgrundlage | Thomas Bernhard: Ein Kind |
Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie Kulturvermittlung vor Ort funktionieren kann: mit klaren Partnern, einem auf die Jugendlichen ausgerichteten pädagogischen Konzept und einer Präsentationsplattform im Stadttheater. Diese Kombination machte die Aufführung zu einem Ereignis, das über einen einfachen Leseabend hinausreichte und für die Beteiligten offenkundig nachhaltige Erfahrungen im Umgang mit Literatur erzeugte.