Debatte um Straßennamen entzündet sich erneut
In Linz hat ein offener Brief prominenter Unterzeichner die Diskussion um die Umbenennung der Dinghoferstraße neu entfacht. Adressat ist Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ). Die Initiatoren fordern, die nach Franz Dinghofer benannte Straße künftig Aichernstraße zu nennen und damit einen „braunen Fleck“ aus der Stadt zu entfernen.
Zu den Unterzeichnern gehören bekannte Persönlichkeiten aus Kunst und Zivilgesellschaft, namentlich die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, die Historikerin Gabriella Hauch, der Karikaturist Gerhard Haderer sowie der Intendant des Landestheaters Linz, Hermann Schneider. Unterschrieben haben den Brief Organisationen wie das Mauthausen Komitee Österreich, die Katholische Aktion Oberösterreich und das OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus.
„Die Dinghoferstraße soll in Zukunft Aichernstraße heißen.“
Als Begründung nennen die Initiatoren die historische Belastung Franz Dinghofers. Der in Ottensheim geborene Politiker war von 1907 bis 1918 Linzer Bürgermeister und bekleidete später zahlreiche hohe Ämter auf Bundesebene sowie am Obersten Gerichtshof. 1940 trat er der NSDAP bei — ein Umstand, der Kritikerinnen wie Kritiker zu der Auffassung bringt, eine Ehrung durch einen Straßennamen sei nicht länger vertretbar.
Demgegenüber wird Altbischof Maximilian Aichern als Namenspatron vorgeschlagen. In dem Schreiben wird er als ein entschiedener Gegner des Faschismus gewürdigt, darüber hinaus als eine Schlüsselfigur bei der Seligsprechung von Franz Jägerstätter bezeichnet.
Konkrete Folgen für Linz
Eine Umbenennung hätte in der Stadtverwaltung und für Anrainer praktische Konsequenzen: Anpassung von Hausnummern- und Adressdatenbanken, Informationsschreiben an Bewohnerinnen und Bewohner, Aktualisierung von Firmenschilden und Wegweisern. Politisch ist die Frage Teil einer länger laufenden Debatte über die Erinnerungskultur in Linz und die öffentliche Ehrung historischer Persönlichkeiten.
- Offener Brief von zivilgesellschaftlichen Gruppen und prominenten Persönlichkeiten
- Vorschlag: Umbenennung zu Aichernstraße — Namensgeber: Altbischof Maximilian Aichern
- Historische Kritik: Franz Dinghofer war NSDAP-Mitglied (Beitritt 1940)
Vertreter des Netzwerks gegen Rassismus und Rechtsextremismus fassen die Kritik pointiert zusammen:
„Der ‚Judenhasser, ‚Arisierer‘ und Nationalsozialist Franz Dinghofer habe keine Ehrung verdient.“
Der Vorstoß trifft auf eine bereits länger andauernde Auseinandersetzung in Linz: Die Diskussion um die Straße ist nicht neu, gewinnt durch die prominente Allianz an Sichtbarkeit und erhöhten politischen Druck. Ob und wie die Stadtverwaltung reagieren wird, bleibt abzuwarten; eine formale Beschlussfassung über Straßennamen obliegt in der Regel kommunalen Gremien.
| Person | Rolle | Bemerkung |
|---|---|---|
| Franz Dinghofer | Namensgeber | Linzer Bürgermeister 1907–1918; NSDAP-Beitritt 1940 |
| Maximilian Aichern | Vorgeschlagener Namensgeber | Altbischof; als Gegner des Faschismus gewürdigt |
Für Bewohnerinnen und Anrainer der Dinghoferstraße ist die Diskussion mehr als eine historische Debatte: Eine Entscheidung würde direkte Auswirkungen auf Adressen, Behördenkontakte und mögliche Kosten für die Umstellung haben. Die Stadtregierung müsste ein Verfahren zur Prüfung und gegebenenfalls Umsetzung einleiten, das auch öffentliche Anhörungen und formale Beschlussfassungen umfassen dürfte.
Die Forderung führt die Erinnerungspolitik der Stadt Linz in die öffentliche Diskussion zurück und stellt die Frage, welche Personen über Ehrungen im urbanen Raum entscheiden — und nach welchen Kriterien.