Offener Brief fordert Umbenennung
In Linz gibt es erneut eine öffentliche Forderung nach einer Umbenennung der Dinghoferstraße. Ein gemeinsamer Offener Brief des Mauthausen Komitees Österreich, der Katholischen Aktion Oberösterreich und des OÖ. Netzwerkes gegen Rassismus und Rechtsextremismus richtet sich an Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ) mit der Bitte, den Straßennamen zu ändern.
Wer steht hinter dem Appell
Unter den Unterzeichnern befinden sich in der Öffentlichkeit bekannte Persönlichkeiten: Dazu zählen unter anderem die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, die Historikerin Gabriella Hauch, der Karikaturist Gerhard Haderer sowie der Intendant des Landestheaters Linz, Hermann Schneider. In dem Schreiben fordern die Absender, die "braune Spur" aus dem Straßenbild der Stadt zu entfernen und schlagen als alternativen Namensgeber den heuer verstorbenen Altbischof Maximilian Aichern vor.
Gründe für die Umbenennung
Der Offene Brief verweist auf die historische Rolle von Franz Dinghofer (1873–1956). Dinghofer, in Ottensheim geboren, war Bürgermeister von Linz von 1907 bis 1918 und bekleidete später mehrere hohe politische Ämter, unter anderem im Nationalrat und als Präsident des Obersten Gerichtshofes. Der Brief hebt hervor, dass Dinghofer 1940 der NSDAP beigetreten sei und bezeichnet ihn in Kommentaren als "Judenhasser, 'Arisierer' und Nationalsozialist"; dies bringe nach Ansicht der Initiatoren eine Ehrung durch Straßennamen in Frage.
Die Verfasser appellieren an den Bürgermeister, "im Geiste der demokratischen und antifaschistischen Werte der Republik zu handeln: Die Dinghoferstraße soll in Zukunft Aichernstraße heißen."
Wer war Maximilian Aichern?
Als vorgeschlagener neuer Namenspatron wird Altbischof Maximilian Aichern genannt. Die Unterzeichner würdigen ihn als "überzeugten Gegner des Faschismus" und heben seine Rolle bei der Vorbereitung der Seligsprechung von Franz Jägerstätter hervor. Gabriele Hofer-Stelzhammer, Präsidentin der Katholischen Aktion Oberösterreich, betont in dem Schreiben Aicherns menschliche, zugewandte Art, die auch Andersdenkenden und Kirchenfernen offenstand.
Kontinuierliche Debatte in Linz
Die Diskussion um die Benennung der Straße ist in Linz nicht neu. Bereits 2019 hatten die Linzer Grünen eine Umbenennung gefordert; nun ist die Forderung durch ein breites Bündnis prominenter gesellschaftlicher Akteurinnen und Akteure erneuert worden. Die Forderung stellt die Stadtpolitik vor eine Entscheidung, die symbolische Bedeutung, historische Verantwortung und das Verhältnis der Stadtgesellschaft zur eigenen Geschichte berührt.
- Initiatoren: Mauthausen Komitee Österreich, Katholische Aktion Oberösterreich, OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus
- Vorgeschlagener neuer Name: Aichernstraße (nach Altbischof Maximilian Aichern)
- Adressat des Briefes: Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ)
| Person | Rolle | Erwähnte Jahre |
|---|---|---|
| Franz Dinghofer | ehem. Linzer Bürgermeister, Politiker | 1873–1956; Bürgermeister 1907–1918; NSDAP-Beitritt 1940 |
| Maximilian Aichern | Altbischof der Diözese Linz | gestorben 2026 |
Für die Linzerinnen und Linzer bedeutet eine solche Namensdebatte mehr als ein administrativer Akt: Es geht um Erinnerungskultur, die Sichtbarkeit der eigenen Stadtgeschichte im öffentlichen Raum und darum, welche Personen künftig mit öffentlichen Ehrungen verbunden werden. Die Entscheidung liegt bei der Stadtverwaltung und dem Stadtsenat; ob und wann ein konkreter Beschluss gefasst wird, geht aus dem vorliegenden Schreiben nicht hervor.
Die erneute Forderung könnte die lokale Debatte anfachen und verschiedene zivilgesellschaftliche Gruppen sowie die Stadtpolitik in die Pflicht nehmen, einen transparenten Meinungsbildungsprozess zu begleiten. Konkrete Termine oder Beschlussvorschläge wurden von den Unterzeichnenden nicht genannt.