Rückzug aus der Parteispitze
Der Generalsekretär der Österreichischen Volkspartei, Nico Marchetti, wird sein Amt mit Ende Juli niederlegen. Die Partei hat den Rücktritt am Dienstagabend in einer Aussendung bestätigt. Über eine Nachfolge solle zeitnah informiert werden, heißt es in der Mitteilung.
Dank und Rollenwechsel
Parteichef und Bundeskanzler Christian Stocker würdigte Marchettis Tätigkeit in der Aussendung: Er bedankte sich für dessen „umsichtige Tätigkeit als Generalsekretär in den letzten eineinhalb Jahren“ sowie für Engagement und Loyalität in einer herausfordernden Phase. Marchetti werde im Nationalrat verbleiben und die Funktion als Bildungssprecher der Volkspartei weiter ausüben, teilte die Partei mit. Seine Aufgabe als Mediensprecher gibt er hingegen ab; dies sei mit dem künftigen Generalsekretär abgestimmt worden.
"Mir liegt die feine Klinge mehr als der Bihänder", beschrieb Marchetti seinen Führungsstil.
Persönliche Begründung und parteiinterne Lage
Marchetti begründete den Schritt mit dem Wunsch, sich neben der Politik ein zweites Standbein aufzubauen. Er charakterisierte sich dabei als Führungsfigur, die auf Feinarbeit statt auf grobe Schlagkraft setze. Der 36-jährige Wiener war im Februar 2025 zum Generalsekretär aufgestiegen. In den vergangenen Monaten war er innerparteilich verstärkt unter Druck geraten; unter anderem hatte seine öffentliche Befürwortung einer Bewerbung vor der Wahl der ORF-Spitze Kritik ausgelöst.
Reaktionen und mögliche Nachfolge
Die Koalitionspartner SPÖ und NEOS dankten Marchetti für die Zusammenarbeit und hoben Wertschätzung und Verlässlichkeit hervor. Die ÖVP kündigte an, die Nachfolge zeitnah bekanntzugeben. Medienberichte sowie APA-Informationen nennen als möglichen Kandidaten Markus Gstöttner, der bereits als Sonderbeauftragter für die Reformpartnerschaft ernannt worden war.
Auswirkungen
Der Wechsel an der Spitze des Parteisekretariats dürfte mehrere Ebenen berühren: interne Organisationsfragen, Kommunikationsstrategie und die politische Ausrichtung in laufenden Debatten. Dass Marchetti als Bildungssprecher im Nationalrat bleibt, sichert der Partei eine personelle Konstanz in diesem Bereich, während die Abgabe der Mediensprecher-Funktion zu einer Neuausrichtung der Öffentlichkeitsarbeit führen kann.
- Amtsende: Ende Juli
- Alter: 36 Jahre
- Bisherige Dauer als Generalsekretär: eineinhalb Jahre (seit Februar 2025)
- Verbleibende Funktionen: Nationalratsabgeordneter, Bildungssprecher
| Position | Status |
|---|---|
| Generalsekretär der ÖVP | Rücktritt mit Ende Juli |
| Nationalratsabgeordneter | Bleibt |
| Bildungssprecher | Bleibt |
| Mediensprecher | Tritt zurück |
Die ÖVP steht damit vor der Aufgabe, eine Nachfolge zu präsentieren, die sowohl innerparteiliche Balance wahrt als auch das Kommunikationsmanagement in einer Phase niedriger Umfragewerte stärkt. Angaben zu einem konkreten Datum für die Bekanntgabe eines Nachfolgers machte die Partei bisher nicht.