Ende einer Ära in Zellerndorf
Das Kaufhaus Schwayer in Zellerndorf hat nach 106 Jahren seinen Betrieb eingestellt. Der Familienbetrieb, zuletzt geführt von Karl und Hedwig Schwayer, schloss seine Türen am 31. Juli. Für die Gemeinde bedeutet das Ende des traditionsreichen Nahversorgers sowohl einen historischen Einschnitt als auch praktische Veränderungen im täglichen Einkaufsgeschehen.
Familientradition und Auszeichnungen
Die Ursprünge des Betriebs reichen bis ins Jahr 1920 zurück, als Karl Schwayer, der Großvater des zuletzt tätigen Inhabers, ein Gemischtwarengeschäft eröffnete. Im Lauf der Jahrzehnte wurde das Geschäft mehrfach modernisiert und vergrößert; 1975 erfolgte eine Umstellung von Bedienung auf Selbstbedienung.
Die Marktführung durch die Familie setzte sich fort: 1967 übernahmen Rudolf und Marianne Schwayer das Geschäft, ab 1. Juli 1990 führten schließlich Karl und Hedwig Schwayer die Familientradition weiter. Unter ihrer Leitung erhielt das Haus mehrere Auszeichnungen, darunter der „Käsekaiser“ (2002 und 2005), ein dritter Platz beim Lebensmittelkaufmannpreis des niederösterreichischen Lebensmitteleinzelhandels (2005) sowie 2015 der „Goldene Merkur“ als bester selbstständig geführter Sparmarkt Österreichs.
Engagement über das Geschäft hinaus
Neben dem Betrieb engagierte sich Karl Schwayer auch öffentlich: Er war von 2010 bis 2015 Bürgermeister von Zellerndorf, betrieb gemeinsam mit seiner Frau einen Heurigen und wirkte in Interessenvertretungen des Lebensmittelhandels mit. Ein Schwerpunkt seines Engagements war die Sicherung der Nahversorgung in der Gemeinde.
Was kommt jetzt auf die Gemeinde zu?
Die Schließung des Traditionsgeschäfts bedeutet für Kundinnen und Kunden eine Übergangsphase. Positiv für die Nahversorgung ist die Ankündigung, dass im September ein neuer Sparmarkt in Zellerndorf eröffnen soll. Welche genauen Öffnungszeiten, Arbeitsplätze oder Sortimente dort angeboten werden, ist bislang noch nicht detailliert bekannt. Für viele Bewohnerinnen und Bewohner dürften die wichtigsten Fragen sein:
- Wie lange dauert die Umbau- oder Übernahmephase bis zur Neueröffnung?
- Wie viele Arbeitsplätze bleiben erhalten oder gehen verloren?
- Welche Auswirkungen hat der Betreiberwechsel auf Sortiment und Preise?
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1920 | Gründung des Gemischtwarengeschäfts durch Karl Schwayer (Großvater) |
| 1967 | Übernahme durch Rudolf und Marianne Schwayer |
| 1975 | Umstellung auf Selbstbedienung |
| 1990 | Karl und Hedwig Schwayer übernehmen Leitung (ab 1. Juli) |
| 2010–2015 | Karl Schwayer als Bürgermeister von Zellerndorf |
| 31. Juli | Schließung des Kaufhauses Schwayer |
| September | Geplante Eröffnung eines neuen Sparmarktes |
Für viele Bewohnerinnen und Bewohner ist das Kaufhaus nicht nur eine Einkaufsmöglichkeit gewesen, sondern ein sozialer Treffpunkt. Die Eröffnung des Sparmarktes könnte diese Lücke schließen, doch abhängig davon, ob lokale Produkte, persönliche Beratung und gewohnte Services weiter angeboten werden, wird beurteilt werden, inwieweit die neue Filiale die Funktion des Traditionsbetriebs ersetzen kann.
Die kommenden Wochen werden zeigen, wie die Übergabe gelingen wird: wichtig sind transparente Informationen zu Arbeitsplätzen, Eröffnungsdatum und Sortimentsausrichtung. Die Familie Schwayer hinterlässt eine lange lokale Geschichte, die nun in anderer Form weiterwirken wird.