Handwerk als Gegenentwurf zur digitalen Beschleunigung
Der 29‑jährige Künstler Antonio Labuhar aus Zell am See verarbeitet Schafswolle zu großformatigen Teppicharbeiten, die an natürliche Formen des Pinzgaus erinnern. In seiner Serie "Soft Anchors" übersetzt er Oberflächen wie jenen des Riffelkopfs oder rissigen Asphalt in textile Strukturen, die Relief, Tiefe und haptische Präsenz betonen.
Weg vom Bildschirm, hin zur Materie
Labuhar war zuvor in der digitalen Filmproduktion tätig, unter anderem in St. Pölten und Wien. Die zunehmende Kürzung von Bewegtbildinhalten für soziale Medien und die damit verbundene Schnelllebigkeit veranlassten ihn, ein beständigeres Medium zu suchen. Charakteristisch für seine Entscheidung ist ein kurzer, prägnanter Satz aus dem Umfeld seiner Arbeitsbiografie:
"Wien war mir zu kalt"
Die Beschäftigung mit Textilien begann er 2020. Die Tufting-Technik eignete er sich autodidaktisch an und ergänzte das Wissen durch internationale Quellen: Onlineforen, japanische Anleitungen und einen Meisterkurs einer Schweizer Teppichmanufaktur.
Aufwendiger Herstellungsprozess
Die Entstehung eines einzelnen Werkes ist arbeitsintensiv und mehrstufig: Labuhar spannt Baumwollstoff auf einen selbstgebauten Holzrahmen, überträgt das Motiv und arbeitet mit einer rund 3 Kilogramm schweren Tufting-Maschine, die die Wolle vertikal durch das Gewebe schießt. Nach dem Tuften wird die Rückseite mit Naturlatex versiegelt; anschließende Modellierung erfolgt mit Schermaschine und Schere, um Höhen und Vertiefungen herauszuarbeiten.
- Start der Arbeit mit Wolle: 2020
- Arbeitsaufwand: bis zu 200 Stunden pro Werk
- Gerät: Tufting‑Maschine (~ 3 kg)
- Abschluss: Versiegelung mit Naturlatex, Feinschnitt/Modellierung
| Arbeitsschritt | Kurzbeschreibung |
|---|---|
| Vorbereitung | Rahmen aufspannen, Motivvorzeichnung |
| Tuften | Wolle durch Gewebe schießen, webseitenumgekehrte Ausführung |
| Versiegeln | Rückseite mit Naturlatex behandeln |
| Feinarbeit | Schneiden, Scheren, Modellieren der Oberfläche |
Bedeutung für die Region
Labuhars Arbeiten sind nicht nur ästhetische Objekte, sie spiegeln eine Rückbesinnung auf lokale Materialien und Landschaftsbezüge. Für die Menschen im Bezirk bedeutet das konkret:
- Stärkung regionaler Identität durch künstlerische Auseinandersetzung mit Pinzgauer Landschaftselementen.
- Präsenz eines handwerklich orientierten Kunstschaffenden, der Techniken wie Tufting vor Ort etabliert.
- Möglichkeit, zeitgenössische Kunst und traditionelle Materialien zusammenzubringen — sowohl für Ausstellungen als auch für Auftragsarbeiten im Bezirk.
Angesichts des hohen Material- und Zeitaufwands sind Labuhars Werke Ausdruck eines bewusst verlangsamten Produktionsprozesses, der sich deutlich vom schnellen digitalen Rhythmus absetzt. Die Kombination aus regionalem Motivschatz, selbst erlernter Handwerkstechnik und internationaler Referenz (Schweizer Kurs, japanische Anleitungen) macht sein Schaffen für die Kulturlandschaft von Zell am See bemerkenswert.
Kontakt- oder Ausstellungsinfos sind im vorliegenden Quelltext nicht enthalten; Interessierte aus Zell am See und Umgebung können lokale Ausstellungsankündigungen sowie die Kulturveranstaltungen der Gemeinde verfolgen, um Präsentationen seiner Werkserie zu finden.