Stadtrat beschließt Zusatztafel
Der Stadtrat der Stadtgemeinde Mistelbach hat einstimmig beschlossen, an der bereits benannten "Pater Helde-Straße" eine zusätzliche Informationstafel anzubringen. Ziel der Tafel ist es, Passantinnen und Passanten über das Leben und Wirken von P. Titus Helde zu informieren und seinen Einsatz in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs vor Ort zu würdigen.
Wer war P. Titus Helde?
P. Titus Helde, geboren am 5. Mai 1905 in Radolfzell am Bodensee, trat 1926 in die Gemeinschaft der Salvatorianer ein und empfing am 29. Juni 1938 die Priesterweihe. Unter seinem bürgerlichen Namen Josef Helde ist sein Lebensweg dokumentiert. In Mistelbach wurde sein Name bereits vor Jahren als Straßenbezeichnung vergeben; durch die neue Tafel soll das Erinnern an seine Tat vertieft werden.
Der Einsatz im April 1945
Am 21. April 1945 versteckte P. Helde im Barnabitenkolleg in Mistelbach mehrere Frauen und Mädchen, die dort Zuflucht gesucht hatten. Als sowjetische Soldaten das Gebäude durchsuchten, stellte sich der junge Kaplan schützend vor die Schutzsuchenden. Berichten zufolge ging er dazwischen, als ein Soldat eine Frau mit ihrem Kind verfolgte, und wurde dabei erschossen. Der Tod trat in den frühen Morgenstunden des 22. April 1945 ein. Die Frauen überlebten.
Bedeutung für lokale Erinnerungskultur
Mit der Zusatztafel will die Gemeinde das Gedenken an Zivilcourage und christliche Nächstenliebe in der Stadt sichtbarer machen. Die Maßnahme ist nicht nur eine Ortsverschönerung: Sie liefert Kontext zur Straßenbezeichnung und informiert Anrainerinnen, Besucherinnen und Nachfolgende über das konkrete historische Geschehen, das sich in Mistelbach abgespielt hat.
- Beschluss: einstimmig durch den Stadtrat von Mistelbach.
- Inhalt der Tafel: Lebensdaten, Umstände des Einsatzes im April 1945 und Bedeutung als Vorbild.
- Ort: Pater Helde-Straße, Mistelbach.
Kirchliche Schritte
Die Erzdiözese Wien bereitet derzeit ein Seligsprechungsverfahren für P. Titus Helde vor. Ende des vergangenen Jahres stellte der österreichische Provinzial der Salvatorianer, P. Márton Gál SDS, den entsprechenden Antrag; Erzbischof Josef Grünwidl folgte diesem Ansuchen nach einstimmigem Votum des Bischofsrates am 9. Februar. Die geplante Tafel ergänzt damit auch die kirchlichen Initiativen um ein öffentlich sichtbares Signal der Erinnerung in Mistelbach.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 5. Mai 1905 | Geburt von Josef (P. Titus) Helde |
| 29. Juni 1938 | Priesterweihe |
| 21.–22. April 1945 | Schutz der Frauen; Tod in Mistelbach |
| 9. Februar | Votum des Bischofsrates zum Seligsprechungsansuchen |
Für die Bevölkerung Mistelbachs bietet die Zusatztafel eine leicht zugängliche Erklärung zur Herkunft des Straßennamens und lädt dazu ein, sich mit der lokalen NS- und Nachkriegsvergangenheit auseinanderzusetzen. Die Kombination aus kommunalem Beschluss und laufendem kirchlichen Verfahren macht deutlich, dass es hier sowohl um historische Einordnung als auch um religiöses Gedenken geht.
Weitere Informationen zur Platzierungsterminologie, zum Wortlaut der Tafel und zum genauen Aufstellungsdatum wurden von der Stadtgemeinde bislang nicht veröffentlicht.