Ein Ritual statt einer Feier
Es ist ein kleiner semantischer Schritt mit größerer Wirkung: Die Juristische Universität Ho-Chi-Minh-Stadt (ULAW) hat ihre bislang übliche Abschlussfeier offiziell in eine "Ehrungsfeier für neue Absolventen" umgewandelt. Mehr als eine bloße Namensänderung, so erläuterte die Hochschule, soll die neue Form die Anerkennung des gesamten Entwicklungsprozesses der Studierenden in den Vordergrund rücken — von fachlichem Wissen über Selbstvertrauen bis hin zu Charakterbildung.
Hintergrund und Zielsetzung
ULAW verfolgt demnach einen bewusst pädagogischen Ansatz: Die Verleihung des Diploms bleibt ein förmlicher Akt, doch die Universität will zugleich die längerfristigen Erwartungen an Absolventinnen und Absolventen benennen — etwa Engagement, Integrität und Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. In der Kommunikation der Hochschule wird deutlich, dass Bildung nicht allein als Abschluss im engeren Sinn verstanden wird, sondern als Ausgangspunkt für einen "zweiten Abschluss", den das Leben verleiht.
"Die Entscheidung ... ist nicht einfach eine Änderung der Terminologie, sondern eine auf pädagogischer Philosophie basierende Entscheidung."
Dieses Zitat stammt von Dr. Le Truong Son, dem Rektor der Universität. Er betont damit, dass akademische Würdigung und die Förderung ethischer Kompetenzen zusammengedacht werden sollen.
Konkrete Zahlen und Förderung
Die Veranstaltung war größer angelegt: ULAW ehrte nahezu 1.750 Absolventen und vergab Preise sowie Stipendien. Im Rahmen der Feier wurden Fördermittel in signifikanter Höhe ausgegeben, darunter Auszeichnungen und Promotionsstipendien, die das Engagement für Nachwuchs und Exzellenz dokumentieren.
| Position | Zahl |
|---|---|
| Absolventinnen und Absolventen | ~1.750 |
| Wert der vergebenen Preise | über 791 Mio. VND |
| Promotionsstipendien | 60 |
Was folgt daraus?
Für Beobachterinnen und Beobachter moderner Hochschulpolitik steht hier weniger eine modische Geste als vielmehr ein signalpolitischer Akt: Indem eine Universität ihr akademisches Ritual neu rahmt, sendet sie eine Botschaft an Studierende, Arbeitgeber und die Gesellschaft. Es geht um Erwartungen an berufliches Handeln, um die Verknüpfung von Fachwissen mit ethischen Standards und um die Sichtbarmachung, dass Bildung ein Prozess mit langfristigen Folgen ist.
- Die Umbenennung hebt die Bedeutung von Charakterbildung neben fachlicher Qualifikation hervor.
- Die Universität setzt auf finanzielle Förderung, um Spitzenleistungen und Forschungsperspektiven zu stärken.
- Der Schritt ist ein Beispiel für die wachsende Debatte über die Rolle von Hochschulen als soziale Instanzen.
Ob dieses Modell Schule machen wird, bleibt offen. Klar ist jedoch: ULAW verschiebt mit ihrer Neugestaltung den Fokus von einem einmaligen Zertifikatsakt hin zu einer dauerhaften Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft — ein Anspruch, der sich auch in anderen Bildungssystemen zunehmend durchsetzt.