Leopoldine Nowak: Pionierin des Bezirks feiert Doppeljubiläum
Wenn am 15. Juli die Jakobitage in Guntramsdorf beginnen, hat die Gemeinde einen besonderen Grund zum Feiern: Leopoldine Nowak begeht ihr 50-jähriges Jubiläum als Kellermeisterin und erinnert gleichzeitig an 35 Jahre Mitwirkung beim traditionellen Weinfest der Marktgemeinde. Ihre Laufbahn gilt im Bezirksumfeld als exemplarisch für Durchhaltevermögen, Innovationsbereitschaft und die Bedeutung lokaler Weinwirtschaft für Kultur und Nahversorgung.
Vom Lehrabschluss zur regionalen Vorbildfunktion
Nowaks Werdegang begann nach dem Abschluss in der Hauswirtschaft mit einem weiterführenden Studium in Krems, wo sie den Titel als Kellermeisterin erwarb. Aus privater Verantwortung — dem Aufbau einer beruflichen Basis für ihren Sohn und dem Betrieb eines Heurigen in Gramatneusiedl — entwickelte sie sich rasch zu einer Praktikerin, die traditionelle Erwartungshaltungen infrage stellte. In einer von Männern dominierten Branche setzte sie eigenständig Akzente und prägte damit das Weinbild der Region.
Neue Weintypen und Auszeichnungen
Im Gegensatz zu der damals vorherrschenden Vorliebe für schwere Weine entschied sich Nowak früh für leichtere, frische Varianten, die sie marktfähig machte. Vor fünf Jahrzehnten brachte sie nachweislich den ersten Rosé Österreichs auf den Markt — eine Entscheidung, die auf besseren Absatz in größeren Mengen zielte. In Zusammenarbeit mit der Klosterneuburger Weinbaufachschule wirkte sie zudem an der Einführung einer neuen Traubensorte mit: dem ersten Blauburger in Österreich, gezüchtet in Oeynhausen. Für diese Arbeit erhielt sie bei einer Österreichischen Weinmesse eine Goldauszeichnung.
„Poldi, wo bist stehn geblieben und hast den gekauft?“, fragte Professor Weiss sie oft mit einem Augenzwinkern, wenn er mit ihrer Leistung zufrieden war.
Bedeutung für die Region und nächste Generation
Nowaks Engagement hat über Einzelprojekte hinaus Wirkung entfaltet: Ihre Ausdauer, Experimentierfreude und ihr pragmatischer Umgang mit Marktbedingungen sind für junge Winzerinnen und Winzer im Bezirk eine konkrete Referenz. Die Kombination aus Praxisnähe und Zusammenarbeit mit fachlichen Institutionen zeigt, wie Innovation lokal verankert werden kann, ohne traditionelle Strukturen zu verlassen.
- 50 Jahre als Kellermeisterin (Jubiläum am 15. Juli)
- 35 Jahre Mitwirkung beim Guntramsdorfer Weinfest
- Einführung des ersten österreichischen Rosé und Mitwirkung an der Etablierung des ersten Blauburgers in Oeynhausen
Was das für Besucher und Bewohner bedeutet
Für Besucher der Jakobitage und für Bewohner des Bezirks bedeutet Nowaks Jubiläum mehr als eine persönliche Ehrung: Es ist Erinnerung an die lokale Weinbautradition und ein Hinweis darauf, wie sehr solche Einzelbiografien zur Identität und wirtschaftlichen Vielfalt kleiner Gemeinden beitragen. Das Weinfest bleibt dadurch ein Forum für Austausch zwischen Produzenten und Konsumenten und bietet die Gelegenheit, regionale Produkte direkt zu erleben.
| Jahr / Anlass | Fakten |
|---|---|
| Vor 50 Jahren | Beginn der Tätigkeit als Kellermeisterin; Einführung des ersten Rosé |
| Vor 35 Jahren | Beginn des Engagements beim Guntramsdorfer Weinfest |
| Kooperation | Klosterneuburger Weinbaufachschule: Mitwirkung beim Blauburger |
Die Ehrung von Leopoldine Nowak ist daher auch eine Würdigung des Beitrags, den einzelne Winzerinnen und Winzer für die Lebensqualität, die regionale Wirtschaft und das kulturelle Leben im Bezirk Mödling leisten.