Erinnerung am Ort: Fund bei Bauarbeiten des Aflenz Memorials
Bei den laufenden Arbeiten für das geplante, begehbare Aflenz Memorial in Wagna ist ein bewegendes Zeugnis der Lagergeschichte zutage getreten: Arbeiterinnen und Arbeiter fanden auf dem Areal des ehemaligen Appellplatzes eine Häftlingsmarke mit der Nummer 38882. Das Gelände liegt beim Römersteinbruch und markiert einen Abschnitt des früheren KZ-Außenlagers Aflenz an der Sulm.
Das Projekt basiert auf dem künstlerischen Konzept der Milica Tomić (*1960) und wird unter anderem vom Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark begleitet. Seit Anfang Juni laufen Bauarbeiten, die den Ort der Erinnerung in der Landschaft verankern sollen. Ziel ist nicht die Rekonstruktion historischer Bauten, sondern die Schaffung eines neuen, begehbaren Ortes, der Vergangenheit und Gegenwart verbindet.
„Die zentrale Idee für das Aflenz Memorial ist, nichts zu rekonstruieren, sondern für die nicht mehr sichtbare Geschichte einen neuen Ort der Erinnerung zu definieren. Dieses Memorial ist als Ort der Auseinandersetzung, der Information, des Innehaltens angelegt. Auch die Pflege der Pflanzungen und die Ernte werden zu einem aktiven Erinnern“, so Gabriele Mackert, Leiterin des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark.
Historische Zahlen, die den Kontext vor Ort verdeutlichen: Im Außenlager Aflenz an der Sulm waren einst bis zu 900 KZ-Häftlinge interniert; mindestens 62 von ihnen starben infolge von Zwangsarbeit und Misshandlungen. Der Fund der Häftlingsmarke auf dem früheren Appellplatz ist daher ein unmittelbares, physisches Zeugnis dieser Geschichte und unterstreicht, weshalb die Erinnerungsarbeit am konkreten Ort wichtig ist.
Für die Bewohnerinnen und Bewohner des Bezirks Leibnitz bedeutet das Projekt konkret:
- Ein öffentlich zugänglicher Ort der Information und des Innehaltens in Wagna.
- Ein künstlerisch gestaltetes Erinnerungsfeld, das nicht rekonstruiert, sondern neu interpretiert.
- Langfristig sichtbare Pflege- und Mitmachangebote (Pflanzungen, Ernte) als Teil der Erinnerungskultur.
Der in Wagna gefundene Identitätsmarker kann für Angehörige, Forschende und Initiativen ein Anknüpfungspunkt für weitere Recherchen sein. Konkrete Schritte zur Dokumentation des Fundes oder zur Einbindung in die Gedenkarbeit wurden bislang nicht im Detail veröffentlicht; das Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark ist jedoch unmittelbar in das Projekt eingebunden.
Die Entdeckung macht deutlich, wie eng lokale Landschaften mit europäischer Geschichte verknüpft sind und warum öffentliche Erinnerungsorte vor Ort gepflegt werden müssen, damit Wissen über Verfolgung und Opfer auch für nachfolgende Generationen zugänglich bleibt.
| Ort | Projekt | Gefundener Gegenstand |
|---|---|---|
| Wagna (Römersteinbruch) | Aflenz Memorial (Milica Tomić) | Häftlingsmarke Nr. 38882 |