Der am 9. August begangene österreichweite Equal Pension Day macht auf ein strukturelles Problem im Sozial- und Pensionssystem aufmerksam: Statistisch haben Männer bis zu diesem Datum bereits so viel Pension erhalten wie Frauen erst bis zum Jahresende. Nach Angaben der KPÖ Niederösterreich beträgt die Lücke zwischen den Geschlechtern in Österreich aktuell 39,4 Prozent; in Niederösterreich fällt der Stichtag heuer auf den 8. August, was einem durchschnittlichen Minus von 40 Prozent für Frauen entspricht.
Ursachen und politische Bewertung
Die Partei führt die Differenz nicht auf individuelles Versagen zurück, sondern erklärt sie zur Folge konkreter sozialer und wirtschaftlicher Faktoren: schlechter entlohnte Tätigkeiten, unfreiwillige Teilzeitarbeit sowie die ungleiche Verteilung von unbezahlter Sorge- und Betreuungsarbeit über den Lebensverlauf. Diese Lebensverläufe beeinflussen später die Beitragsbiografien und damit die Höhe der Pensionen.
„Die niedrigen Pensionen vieler Frauen sind kein individuelles Versagen, sondern die Folge politischer Entscheidungen.“
Die KPÖ Niederösterreich fordert deshalb Maßnahmen, die an den Ursachen ansetzen, darunter eine stärkere Entlohnung traditionell weiblicher Berufe sowie strukturelle Veränderungen bei Arbeitszeitmodellen und Kinderbetreuung. Die Partei kritisiert zudem jüngste Wortmeldungen aus der Bundespolitik, die Kinderbetreuung nicht als Arbeit anerkennen würden; dies werde als Missachtung jener Tätigkeiten verstanden, die zu einer geringeren Pensionsansammlung beitragen.
Wirkungen auf Lebensqualität und Geschlechtergerechtigkeit
Eine Pensionslücke dieser Größenordnung hat Folgen für die ökonomische Sicherheit im Alter, insbesondere für Alleinerziehende und Personen mit langen Phasen unterbrochener Erwerbstätigkeit. Geringere Renten bedeuten ein erhöhtes Risiko für Altersarmut und schränken die individuelle Handlungsfreiheit im Rentenalter ein. Vor diesem Hintergrund wird die Frage einer politischen Gegensteuerung relevanter: Neben direkten Rentenreformen geht es auch um familien- und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, die Erwerbsverläufe ausgleichen.
Was jetzt auf der Agenda stehen könnte
- Verbesserte Anerkennung von Betreuungszeiten in der Pensionsberechnung
- Förderung höherer Löhne in traditionell schlechter bezahlten, frauendominierten Berufen
- Ausbau bedarfsorientierter und bezahlbarer Kinderbetreuung zur Reduzierung unfreiwilliger Teilzeit
Die KPÖ Niederösterreich sieht in der aktuellen öffentlichen Diskussion eine Chance, die Debatte um Altersarmut und Geschlechtergerechtigkeit zu verbinden. Ob und wie schnell politische Mehrheiten für strukturelle Änderungen entstehen, bleibt offen; die genannten Zahlen verdeutlichen jedoch die Dringlichkeit, langfristige Folgen ungleicher Arbeitsteilung für die Alterssicherung anzugehen.
| Indikator | Wert |
|---|---|
| Österreichische Pensionslücke (Durchschnitt) | 39,4 % |
| Niederösterreich | 40 % |
| Prognose Schließung bei aktuellem Tempo | Erst 2121 (angegeben von Quelle) |