Im Eltern-Kind-Zentrum (Ekiz) Südoststeiermark mit Sitz in Weixelbaum beobachten Mitarbeiterinnen täglich, wie stark viele Mütter unter der Doppelbelastung von Familie und Beruf leiden. Die Leiterin des Zentrums, Bettina Öttl, beschreibt in Gesprächen ein verbreitetes Gefühl fehlender Wertschätzung für die unbezahlte Care-Arbeit und plädiert für konkrete politische Schritte, um Wahlfreiheit bei der Kinderbetreuung zu stärken.
Was Eltern im Ekiz berichten
Die Gruppen des Ekiz dienen nicht nur der frühkindlichen Förderung, sie sind für viele Eltern eine wichtige Austauschplattform. Dort stellen Mütter fest, dass Probleme wie Schlafmangel oder Betreuungsengpässe keine Einzelfälle sind, sondern vielfach geteilt werden. Aus diesen Begegnungen ergibt sich nach Öttls Beobachtung ein deutlicher Wunsch nach mehr gesellschaftlicher Anerkennung und praktischer Unterstützung.
„Die Eltern-Kind-Spielgruppen sind wichtig für Kinder, aber noch wichtiger für Eltern. Da wird darüber geredet, was sie betrifft und belastet“,
Öttl, die aus Ratschendorf stammt und Mutter von drei erwachsenen Töchtern ist, betont, dass viele Frauen sich schlecht fühlten, wenn sie nach der Geburt nicht in den Beruf zurückkehrten. Zugleich sei es nicht für jede Familie möglich, die Dauer der Kinderbetreuung nach Wunsch zu gestalten.
Konkrete Forderungen vom Ekiz
Aus den Gesprächen im Ekiz leiten sich politische Anliegen ab, die sich sowohl an die regionale als auch an die nationale Ebene richten. Die zentralen Punkte, die Öttl nennt, lassen sich zusammenfassen:
- Anerkennung der bezahlten und unbezahlten Care-Arbeit innerhalb der Gesellschaft und Politik
- Pensions-Splitting zur Aufteilung von Pensionsansprüchen für Erziehungsjahre
- Ausbau der Kinderbetreuung, insbesondere längere Betreuungsöffnungszeiten
Bedeutung für Familien in der Südoststeiermark
Für Eltern im Bezirk sind diese Forderungen nicht abstrakt: Mehr Anerkennung kann das Selbstbild von Müttern stärken und der gesellschaftlichen Debatte über unbezahlte Arbeit eine konkrete Richtung geben. Konkrete Maßnah-men wie Pensions-Splitting würden finanzielle Folgen für lange Erziehungszeiten abfedern. Und erweiterte Betreuungszeiten würden die echte Wahlmöglichkeit für den Wiedereinstieg ins Erwerbsleben verbessern — gerade in Regionen mit ländlicher Prägung und begrenztem Angebot an Betreuungsplätzen.
Politischer Kontext
Die Debatte wird auch auf Bundesebene geführt: In jüngster Zeit gab es kontroverse Äußerungen von Spitzenpolitikern zur Frage, ob Kinderbetreuung als Arbeit zu sehen sei, woraufhin Entschuldigungen folgten. Solche Vorfälle verdeutlichen, wie sensibel das Thema ist und dass Aussagen in der Öffentlichkeit unmittelbar Rückwirkungen auf das Selbstverständnis vieler Eltern haben können.
| Forderung | Erwartete Wirkung |
|---|---|
| Anerkennung der Care-Arbeit | Stärkere gesellschaftliche Wertschätzung, besseres Selbstverständnis der Eltern |
| Pensions-Splitting | Finanzielle Entlastung bei langen Erziehungszeiten |
| Ausbau Betreuung & Öffnungszeiten | Erhöhte Flexibilität beim Berufseinstieg und -erhalt |
Für Eltern im Bezirk bedeutet das konkret: Wer jetzt Unterstützung sucht, findet im Ekiz Weixelbaum nicht nur Spielgruppen für Kinder, sondern auch einen Raum für Austausch und Information. Die Forderungen des Zentrums zielen darauf, langfristig eine bessere Balance zwischen Sorgearbeit und Erwerbstätigkeit zu ermöglichen — eine Frage, die hier vor Ort viele Familien direkt betrifft.