Die kinderärztliche Versorgung im Bezirk Deutschlandsberg steht seit dem Abgang der letzten Kassenkinderärztin im März 2025 unter Druck. Bei einer Diskussion in der Stadtgalerie Deutschlandsberg wurde deutlich, dass die eingerichtete 20‑stündige Kassenstelle am LKH Südweststeiermark vieles lindern, aber nicht dauerhaft lösen kann.
Situation und Konfliktlinien
Als Reaktion auf den Weggang der Kassenärztin sowie auf eine seit längerem unbesetzte zweite Stelle haben Land, Gesundheitsfonds und Kages Anfang 2026 die Initiative "Kindergesundheit Deutschlandsberg" gestartet. Kern dieser Maßnahme ist eine Teilzeitkassenstelle von 20 Stunden am LKH Südweststeiermark. Bei der Podiumsdiskussion im Rahmen des Formats „Reden wir“ trafen Eltern aus dem Bezirk auf Fachleute: Auf dem Podium saßen betroffene Mütter, der pensionierte Kinderarzt Georg Breisach sowie der Projektverantwortliche und Leiter der Kinder‑ und Jugendheilkunde am LKH Hochsteiermark, Reinhold Kerbl.
Konkrete Folgen für Familien
Für betroffene Eltern bedeuten fehlende Fachärzte vor Ort erhebliche praktische Belastungen. Zwei Mütter schilderten, wie sie Termine bei einem niedergelassenen Allgemeinmediziner mit Spezialisierung auf Kinder in St. Oswald ob Eibiswald suchen mussten. Für fiebrige Kinder bedeute das teilweise eine Fahrtzeit von rund 40 Minuten pro Strecke – ein Aufwand, der im Akutfall enorm ist und den Alltag der Familien zusätzlich belastet.
- Weggang der letzten Kassenkinderärztin: März 2025
- Initiative "Kindergesundheit Deutschlandsberg": Beginn Anfang 2026
- Eingerichtete Kassenstelle: 20 Stunden am LKH Südweststeiermark
„Es ist ein Tropfen auf den heißen Stein.“
Dieses knappe Urteil stammt vom pensionierten Kinderarzt Georg Breisach, der damit deutlich machte, dass eine einzelne, teilzeitige Stelle den Bedarf in einem ländlich geprägten Bezirk nicht abdecken kann. Breisach kritisierte außerdem strukturelle Ursachen, etwa die Bezahlung und Rahmenbedingungen für Fachärzte am Land.
Was bedeutet das für die Region?
Die Diskussion machte zwei Dinge klar: Zum einen fehlt vielen Eltern vor Ort ein einfacher, kurzfristiger Zugang zu kinderärztlicher Expertise; zum anderen zeigen die vorgebrachten Stimmen, dass eine kurzfristige Linderung nicht mit einer langfristigen Sicherung der Versorgung gleichzusetzen ist. Die Forderung der Eltern war eindeutig: Sie möchten wieder einen fest im Bezirk ansässigen Kinderarzt, der verlässlich erreichbar ist.
Für die lokale Gesundheitsplanung heißt das, dass neben temporären Lösungen wie einer 20‑Stunden‑Kassenstelle auch strukturelle Maßnahmen nötig sind — etwa Anreize für Fachärzte, sich am Land niederzulassen, verbesserte Arbeitsbedingungen sowie abgestimmte Vertretungs‑ und Notfallkonzepte. Bis solche Maßnahmen greifen, bleibt für viele Familien die Erreichbarkeit von Kinderärzten ein zentraler Alltagstest.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| März 2025 | Abgang der letzten Kassenkinderärztin |
| Anfang 2026 | Start des Projekts "Kindergesundheit Deutschlandsberg" mit 20‑Stunden‑Kassenstelle |
Die Debatte in der Stadtgalerie zeigte zudem, dass die Frage der kinderärztlichen Versorgung nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein politisches und soziales Thema ist, das Familien, Gemeindeverantwortliche und Gesundheitseinrichtungen gleichermaßen betrifft. Wie schnell und in welcher Form weitere konkrete Schritte folgen, wird für viele Eltern darüber entscheiden, ob sie künftig wieder kurzfristig und wohnortnah ärztliche Hilfe für ihre Kinder erhalten.