„Gleichgewicht'Störung“: Kunst zwischen Handwerk und Technik
Die Galerie Labor im Chor in Schwäbisch Gmünd präsentiert im Begleitprogramm des Festivals Europäische Kirchenmusik eine Ausstellung, die sich der Frage nach Balance in Gegenwart und Kunst widmet. Unter dem Titel „Gleichgewicht'Störung“ zeigen Künstlerinnen aus verschiedenen Teilen Deutschlands Arbeiten, die Spannungen zwischen tradiertem Handwerk und digitalen Herstellungsverfahren ausloten. Die Eröffnung ist am 16. Juli um 20 Uhr.
Die Schau versammelt sehr unterschiedliche Positionen: Von klassischer Silberschmiedekunst über ofengeformtes Glas bis zu computergenerierten Überlagerungen und Stücken aus dem 3D-Druck. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld, das nicht nur ästhetisch funktioniert, sondern auch Fragen an Werkstoff, Herstellungsprozess und die Rolle der Maschine in der Handwerkskunst stellt.
Beteiligte Künstlerinnen und Werkansätze
- Annette Lechler – Schmuckdesign und Bildhauerei; bereits mit dem Staatspreis ausgezeichnet und keine Unbekannte in Gmünd.
- Babette Wiezorek – Produktdesignerin und Kunsthistorikerin, die mit neuen Technologien arbeitet (u. a. 3D-Druck).
- Ludwig Menzel – Silberschmied, der traditionelle Gießtechniken nutzt und archaische Formen schafft.
- Kirsten Perleberg – arbeitet mit digitalen Überlagerungen und generierten Figuren.
- Patrick Roth – massive Glaslinsen, die als farbige, geschlossene Formen eine Gegenposition zu den digitalen Arbeiten bilden.
Die Kuratorinnen und Gastgeberinnen der Ausstellung, darunter Alkie Osterland, betonen den thematischen Zusammenhang mit dem Festival: Die Präsentation fungiert als künstlerische Reflexion auf aktuelle gesellschaftliche und kulturelle Ungleichgewichte.
„Das bildet die Lage auf der Welt ab“,heißt es aus den Reihen der Ausstellungsmacherinnen — ein direkter Bezug, der die Auswahl der Arbeiten erklärt.
Was die Schau für Besucherinnen und Besucher bedeutet
Für das Publikum bietet die Ausstellung eine Gelegenheit, handwerkliche Techniken unmittelbar mit digital erzeugten Prozessen zu vergleichen. Besucherinnen und Besucher können:
- die Kontraste zwischen traditionellen Werkverfahren und digitalen Methoden erkennen,
- Materialität und Formensprache in Bezug auf das Thema Balance reflektieren,
- lokal bekannte Positionen wie Annette Lechler neben jüngeren, technologisch arbeitenden Künstlerinnen sehen.
Die Kombination aus regionaler Bekanntheit und fachlicher Bandbreite macht die Ausstellung auch für Neugierige aus dem Bezirk interessant: Sie verknüpft lokale Bezüge zur Kunstszene mit überregionalen Entwicklungen in Design und Schmuckkunst.
Praktische Informationen
| Was | Ausstellung „Gleichgewicht'Störung“ (Begleitausstellung zum Festival Europäische Kirchenmusik) |
|---|---|
| Wo | Galerie Labor im Chor, Schwäbisch Gmünd |
| Eröffnung | 16. Juli, 20 Uhr |
| Gezeigte Positionen | 3D-Druck, Silberschmiedekunst, Glas, Schmuckdesign, digitale Figurenüberlagerungen |
Für jene, die kulturelle Veranstaltungen aus dem Nachbarraum besuchen: Die Ausstellung ist leicht zugänglich und bietet einen kompakten Überblick über aktuelle Diskussionen an der Schnittstelle von Handwerk und digitalen Verfahren. Gerade für Kunst- und Designinteressierte aus dem Bezirk ist die Schau eine Möglichkeit, aktuelle Trends im Schmuck- und Objektbereich vor Ort zu sehen und zu diskutieren.
Die präsentierten Arbeiten liefern keinen einfachen Konsens zum Thema Balance, sondern zeigen vielmehr, wie unterschiedlich Balanceverständnisse heute sein können: mal als harmonisches Verhältnis von Form und Material, mal als absichtliche Störung und Provokation gegen etablierte Sehgewohnheiten.
Die Ausstellung ist damit nicht nur Beitrag zum Festival, sondern auch ein Spiegel zeitgenössischer Debatten über Technik, Handwerk und die Rolle des Künstlers in einer zunehmend digital geprägten Produktionslandschaft.