In der Führung des landeseigenen Energieversorgers zeichnet sich nach Informationen des KURIER ein personeller Wechsel ab: Johann Sereinig, der seit Ende März 2020 den Vorsitz des Aufsichtsrates der Burgenland Energie AG innehat, soll das Unternehmen im August verlassen. Das berichtete Medium nennt als Zeitpunkt den kommenden Monat; Gründe für den Rückzug sind derzeit nicht bekannt.
Bedeutung der Personalie für Land und Unternehmen
Die Burgenland Energie ist zu 51 Prozent im Eigentum der Landesholding Burgenland (die übrigen 49 Prozent hält die Burgenland Holding AG). Als Landesspitze im Aufsichtsrat spielt der Vorsitzende eine zentrale Rolle in der Kommunikation mit dem Vorstand, bei strategischen Entscheidungen und beim Risikomanagement. Das zeigt auch ein Blick in den Corporate Governance Kodex des Unternehmens, wonach der Aufsichtsratsvorsitzende "insbesondere mit dem Vorstandsvorsitzenden regelmäßig Kontakt und diskutiert mit ihm die Strategie, die Geschäftsentwicklung und das Risikomanagement des Unternehmens".
In den vergangenen Jahren lieferte der Landesenergieversorger an die Landesholding eine nennenswerte Ausschüttung: Zuletzt wurde eine Dividende von 12,2 Millionen Euro gemeldet. Solche Zahlungen sind für die Bilanz und die Finanzierung landesweiter Vorhaben relevant; daher ist die Besetzung des Aufsichtsratsvorsitzes auch aus Sicht der öffentlichen Hand von Bedeutung.
Offene Fragen und jüngere Personaldebatten
Die Ankündigung des möglichen Abgangs fällt in eine Phase, in der bereits andere Führungsfragen im Unternehmen diskutiert werden. So wurde erst vor wenigen Tagen publik, dass über die Zukunft des Finanzvorstandes Reinhard Czerny nach dem Sommer entschieden werden solle. Czernys Vertrag war – anders als jener des Vorstandsvorsitzenden Stephan Sharma – im Vorjahr nur für ein Jahr verlängert worden, mit einer Option auf Verlängerung. Czerny selbst sprach damals von einer "
"Spezialregelung"" und zeigte sich zuversichtlich.
Zu den Hintergründen des nun kolportierten Abgangs von Sereinig liegen derzeit keine bestätigten Informationen vor. Weder Sereinig noch ein Sprecher der Burgenland Energie waren laut dem Bericht erreichbar. Sereinig, früher langjähriger Vorstand der Verbund AG und früherer Kabinettschef des ehemaligen Bundeskanzlers Franz Vranitzky, gilt in der Berichterstattung als eine erfahrene Führungspersönlichkeit, die nach seinem Wechsel ins Burgenland eine maßgebliche Rolle in der Aufsicht des Konzerns übernommen habe.
Was das für die Region bedeutet
- Strategische Ausrichtung: Ein Wechsel an der Aufsichtsratsspitze kann Impulse für die laufende Unternehmensstrategie und Investitionsentscheidungen bringen.
- Politische Kontrollen: Da der Konzern mehrheitlich landeseigen ist, stehen Personalentscheidungen in engem Zusammenhang mit der Landespolitik und den Erwartungen an die Unternehmensführung.
- Finanzielle Auswirkungen: Änderungen in der Führung haben mittelbar Bedeutung für Dividendenausschüttungen und damit für die Landesfinanzen.
Historisch war Sereinig 2020 Nachfolger von Hans Peter Rucker, der sich später auch als Geschäftsführer der Landesholding verabschiedet habe. Ob der Nachfolger oder die Nachfolgerin aus den Reihen des bestehenden Aufsichtsrats gewählt wird, ob ein externer Kandidat kommt oder der Zeitpunkt des Wechsels mit anderen Personalentscheidungen verknüpft wird, ist derzeit offen.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Eigentumsverhältnis | 51 % Landesholding / 49 % Burgenland Holding AG |
| Letzte gemeldete Dividende | 12,2 Millionen Euro |
| Aufsichtsratsvorsitz | Johann Sereinig (seit Ende März 2020) |
Solange keine offizielle Bestätigung vorliegt, bleiben viele Aspekte spekulativ. Für die Bevölkerung in Eisenstadt und das Burgenland ist jedoch klar: Entscheidungen in der Führung eines zentralen Landesunternehmens können direkte Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft und die öffentlichen Haushalte haben. Konkrete Antworten werden erst mit einer offiziellen Mitteilung des Unternehmens oder der Landesholding zu erwarten sein.
Anna Gruber, Korrespondentin für Eisenstadt