Gemeinsame Pilgerschaft nach Mariazell
Zum dreißigsten Mal versammeln sich Angehörige der Roma-, Sinti- und Lovara-Gemeinschaften aus Österreich und weiteren europäischen Ländern zur Basilika Mariazell. Die traditionelle Wallfahrt findet heuer am 9. August statt; die festliche Heilige Messe beginnt um 10 Uhr und wird von Weihbischof Franz Scharl zelebriert. Die Organisation liegt in den Händen der Romapastoral der Diözese Eisenstadt, die seit Jahren die Verbindungen innerhalb der Volksgruppe und darüber hinaus fördert.
Glaube und kulturelle Identität
Die Marienverehrung ist für viele Pilgerinnen und Pilger ein zentraler religiöser Bezugspunkt. Neben der Liturgie ist die Wallfahrt als Treffpunkt gedacht, an dem religiöse Praxis und kulturelle Traditionen gleichzeitig sichtbar werden. Musikalisch wird der Gottesdienst von der jungen Formation Post Meridiem begleitet, in der eine Roma- und eine Nicht-Roma-Musikerin zusammenwirken und mit ihrer Auswahl an Liedern Verbundenheit ausdrücken.
Begegnung und Austausch
Bei der Feier stehen nicht nur die innergemeinschaftlichen Beziehungen im Mittelpunkt, sondern auch die Begegnung mit Menschen außerhalb der Volksgruppe. Mehrsprachige Gesänge in Romanes und Deutsch finden ebenso Platz wie klassische Stücke aus dem Gotteslob. Kinder und Jugendliche bringen eine eigens gestaltete Wallfahrtskerze mit, deren Gestaltung das Thema Frieden künstlerisch aufgreift.
Organisation und Anreise
Aus der Diözese Eisenstadt startet eine Gruppe mit etwa 60 Personen am Sonntag um 6 Uhr in Oberwart. Erstmals wurde aufgrund der Nachfrage auch eine Busverbindung für Wallfahrerinnen und Wallfahrer aus Wien eingerichtet. Die Fahrt wird zudem durch eine Förderung aus der Volksgruppenförderung des Bundeskanzleramts unterstützt.
- Datum: 9. August
- Messe: 10 Uhr, Basilika Mariazell
- Organisator: Romapastoral der Diözese Eisenstadt
- Förderung: Volksgruppenförderung des Bundeskanzleramts
„Die Basilika wird wieder ein Ort sein, an dem wir nicht nur unseren Glauben, sondern auch unsere Kultur leben können.“
Erinnerung und aktueller Kontext
Die Wallfahrt hat nicht nur religiöse Dimensionen, sondern fungiert auch als kollektives Gedenken. Bereits 1996 hatte ein solcher Bittgang zur Magna Mater Austriae begonnen; seither ist die Pilgertradition zu einem Symbol für Zusammenhalt und Sichtbarkeit geworden. Geplant ist beim Gabenzug zudem eine Auseinandersetzung mit der historischen und gegenwärtigen Lage von Roma und Sinti in Österreich und Europa, was die Wallfahrt in den Bereich erinnerungspolitischer Bedeutung rückt.
Was das für Menschen in Eisenstadt bedeutet
Für Bewohnerinnen und Bewohner des Bezirks ist die Wallfahrt ein Hinweis auf die aktive Rolle, die die Diözese Eisenstadt in der Begleitung von Volksgruppen übernimmt. Die Veranstaltung eröffnet zugleich Möglichkeiten für interkulturelle Begegnungen und Sensibilisierung im öffentlichen Raum. Für Familien, die an der Fahrt teilnehmen, bedeutet die organisierte Anreise eine konkrete Erleichterung; für Ehrenamtliche zeigt die Förderung eine staatliche Anerkennung solcher Initiativen.
| Information | Angabe |
|---|---|
| Termin | 9. August |
| Messebeginn | 10 Uhr |
| Abfahrtszeit Oberwart | 6 Uhr |
| Teilnehmer aus der Diözese | rund 60 Personen |
Die Wallfahrt verbindet religiöse Praxis, gelebte Kultur und öffentliche Erinnerung. Für die Gemeinden im Bezirk Eisenstadt bietet sie einen Anlass zur Auseinandersetzung mit der Geschichte und aktuellen Lebenssituation von Roma, Sinti und Lovara sowie eine Plattform für Begegnung und Dialog.