Mehr Hitzetage, mehr Handlungsdruck
Das Klimadashboard weist für Lienz heuer bislang 28 Hitzetage aus – Tage, an denen die Temperatur mindestens 30 Grad erreicht wurde. Zum Vergleich: Im Klimamittel 1991–2020 waren es bis Mitte Juli im Schnitt 6 Hitzetage. Diese Differenz macht deutlich, dass auch in Lienz die Häufigkeit extremer Wärme zunimmt und kommunale Maßnahmen an Bedeutung gewinnen.
Schwerpunkte des Klimaneutralitätsfahrplans
Bei der Erarbeitung des Klimaneutralitätsfahrplans bis 2040 hat die Stadtverwaltung Bereiche identifiziert, in denen Lienz den größten Reduktionsbedarf bei Treibhausgasen hat: Mobilität, Gebäude und Kreislaufwirtschaft. Zusätzlich ist die Stadtplanung in Bezug auf Bäume und Grünraum in den Fokus gerückt, weil Stadtgrün gleichzeitig Hitzeschutz und Schutz gegen Starkregen leisten kann.
- Mobilität: Verkehr und verkehrsbedingte Emissionen bleiben ein zentrales Handlungsfeld.
- Gebäude: Energieeffizienz und Heizsysteme sind für die Emissionsbilanz bedeutend.
- Kreislaufwirtschaft: Vermeidung und regionale Stoffkreisläufe sollen Emissionen reduzieren.
Schwammstadtprinzip: Erste Praxis in Lienz
Zur Klimaanpassung setzt Lienz auf das sogenannte Schwammstadtprinzip. Dabei werden Bäume in ein spezielles Substrat eingesetzt, das ausreichend Wurzelraum bietet und Wasser speichern kann. Dieses System verzögert Austrocknung in Trockenperioden und wirkt gleichzeitig bei Starkregen als Puffer.
"Man wirke damit bereits im Bereich Kreislaufwirtschaft", erklärt Jasmina Steiner, Abteilungsleiterin Standortentwicklung.
Als Pilotprojekt wurden bereits drei Schwammstadtbäume am Egger-Lienz-Platz gepflanzt. Das Substrat besteht überwiegend aus regionalen Materialien: Komposterde, Erdmaterialien und zugekaufte Pflanzenkohle. Die Stadt betont damit nicht nur den klimaadaptiven Nutzen, sondern auch den Mehrwert für lokale Stoffkreisläufe.
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Hitzetage (heuer, bis Mitte Juli) | 28 |
| Hitzetage (1991–2020 Mittel, bis Mitte Juli) | 6 |
| Unterbaukosten pro Schwammstadtbaum | ca. 15.000 Euro |
Finanzierung, Folgekosten und Perspektiven
Der Unterbau für einen einzelnen Schwammstadtbaum kostet laut Auskunft der Stadt rund 15.000 Euro. Das ist ein Betrag, der Fragen zur Skalierbarkeit und Priorisierung aufwirft: Wo sollen weitere Standorte gewählt werden, wie viele dieser Maßnahmen sind finanziell und planerisch realistisch, und in welchem Tempo können sie umgesetzt werden? Nach dem Pilot am Egger-Lienz-Platz wird die Stadt prüfen, wo zusätzliche Bäume nach dem gleichen Prinzip Sinn machen.
Für Bewohnerinnen und Bewohner bedeutet das: Kurzfristig kann das Projekt punktuell die Aufenthaltsqualität und das Mikroklima verbessern sowie Starkregenrisiken mindern. Langfristig aber sind tiefere Eingriffe in Mobilitätsstrukturen, Gebäudesanierungen und eine stärker kreislauforientierte Abfall- und Bodenpolitik nötig, wenn Lienz die Ziele des Klimaneutralitätsfahrplans erreichen will.
Die bisherigen Piloterfahrungen liefern konkrete Erkenntnisse über Kosten, Materialien und Wirkung. Sie bilden die Basis für weitere Entscheidungen, etwa zur Priorisierung von Standorten und zur Einbindung regionaler Ressourcen. Für betroffene Nachbarschaften und Interessenvertretungen bleibt wichtig, diese Schritte nachvollziehbar zu begleiten und transparenzpflichtige Entscheidungsgrundlagen einzufordern.
Die steigende Zahl an Hitzetagen und die gewählten Maßnahmen machen deutlich: Klimaanpassung wird auch in Lienz zunehmend zur kommunalen Aufgabe mit konkreten Investitionsfragen und spürbaren Folgen für den städtischen Raum.