Gemeinschaftliches Auto direkt vor der Haustür
In Hermagor wurde im Rahmen des Forschungsprojekts „FReD im Dorf“ ein Modell für gemeinschaftliche Fahrzeugnutzung erprobt. Über einen Zeitraum von zwei Monaten stellten sich mehrere Nachbarinnen und Nachbarn dem Praxistest: sechs Familien organisierten die Nutzung eines einzelnen Autos, das unmittelbar in ihrem Wohnumfeld bereitstand. Damit untersuchte das Projekt, ob ein solches Nachbarschaftsauto in Regionen mit geringem öffentlichem Verkehrsangebot ein zusätzliches Privatfahrzeug ersetzen kann.
Im Unterschied zu klassischen Carsharing-Angeboten, bei denen Fahrzeuge an zentralen Stationen stehen, war das getestete Auto in der unmittelbaren Nachbarschaft verfügbar und somit jederzeit bequem erreichbar. Während der Testphase wurde das Fahrzeug in Hermagor nach Angaben der Projektverantwortlichen nahezu täglich über mehrere Stunden hinweg genutzt. Besonders Haushalte mit keinem oder nur einem eigenen Auto griffen regelmäßig darauf zurück.
Motivation und erwartete Effekte
Projektleiterin Nina Fábián hebt hervor, dass besonders in ländlichen Gemeinden mehrere Autos pro Haushalt oft eine Folge unzureichender öffentlicher Verkehrsangebote sind. Sie sieht das Nachbarschaftsauto als Möglichkeit, Kosten zu senken, Parkraum effizienter zu nutzen und Leerlaufzeiten von Fahrzeugen zu reduzieren:
„Aufgrund der mancherorts unzureichenden Öffi-Infrastruktur besitzen viele Familien im ländlichen Raum mehrere Autos. Das ist nicht nur ein enormer Kostenfaktor, sondern führt auch zu langen ungenutzten Stehzeiten und einem hohen Platzverbrauch. Wir möchten herausfinden, ob sich ein gemeinsames Auto im Nachbarschaftsgrätzl als Alternative zu einem zusätzlichen Privatfahrzeug eignet.“
- Dauer: 2 Monate
- Teilnehmende: 6 Familien
- Nutzung: nahezu tägliche Fahrten, mehrstündige Nutzung
Konkrete Bedeutung für Hermagor
Für Bewohnerinnen und Bewohner von Hermagor hat das Projekt mehrere praktische Implikationen: Wenn sich ein gemeinschaftlich genutztes Auto als verlässlich erweist, könnten Familien auf einen Zweitwagen verzichten oder dessen Anschaffung hinauszögern. Das würde finanzielle Entlastung bringen, den Platzbedarf vor Einfamilienhäusern reduzieren und potenziell den Verkehr im Ortsgebiet beeinflussen. Besonders jene Haushalte, die derzeit mangels Öffi-Angebot mehrere Fahrzeuge halten, könnten kurzfristig profitieren.
Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass Organisation und Abstimmung unter Nachbarinnen und Nachbarn zentrale Voraussetzungen sind: Im Test waren die sechs Familien für die Nutzung selbst verantwortlich. Ob dieses Modell in größerem Maßstab tragfähig ist, hängt daher nicht nur von technischer Verfügbarkeit, sondern auch von sozialer Akzeptanz und klaren Nutzungsregeln ab.
| Aspekt | Wert |
|---|---|
| Dauer der Erprobung | 2 Monate |
| Anzahl teilnehmender Haushalte | 6 |
| Nutzung während Testphase | nahezu täglich, mehrere Stunden |
Die Projektverantwortlichen kündigen an, das Modell nun auch in Dellach zu erproben. Ob und wie schnell ein solches Nachbarschaftsauto in weiteren Quartieren des Bezirks Hermagor eingeführt werden kann, wird von den Erfahrungen aus diesen Pilotphasen abhängen.
Für die Lokalpolitik und Gemeindeverwaltungen bietet das Projekt konkrete Anhaltspunkte: Fördermaßnahmen, rechtliche Rahmensetzungen für gemeinschaftliche Fahrzeuge oder Unterstützung bei der Organisation könnten entscheidend sein, damit Nachbarschaftsmodelle jenseits einzelner Pilotprojekte dauerhaft funktionieren.