Die Debatte um Führungsethik im internationalen Fußball erhält neue Nahrung: Der UEFA wurden gegenüber dem SID Fragen zu Zahlungen an eine frühere Mitarbeiterin gestellt – und die Kontroverse ist nun durch eine Bestätigung der Europäischen Fußball-Organisation selbst befeuert worden. Betroffen ist Gianni Infantino, aktuell Präsident der FIFA, der während seiner Zeit als UEFA-Generalsekretär (2009–2016) in die Vorgänge eingeordnet wird.
Was bestätigt wurde
Die UEFA teilte mit, dass an die betreffende Person eine Abfindung ausgezahlt worden sei und dass zusätzlich Studiengebühren für einen MBA an einer lokalen Business School übernommen wurden. Nach Angaben der Organisation entsprach diese Zahlung den damaligen Bestimmungen für ausscheidende Mitarbeiter, die laut UEFA seit 2016 verschärft worden seien.
- Zeitraum: Infantino war von 2009 bis 2016 als Generalsekretär bei der UEFA tätig.
- Jahr der Zahlung: Den Berichten zufolge soll die Abfindung im Jahr 2011 erfolgt sein.
- Beträge: Es wird von einer Abfindung in einer sechsstelligen Höhe berichtet; die übernommenen Studiengebühren beliefen sich auf rund 52.500 Euro pro Jahr.
- Gehalt: Vor dem Ausscheiden soll das Gehalt der Frau bei etwa 160.000 Schweizer Franken gelegen haben (rund 171.000 Euro), nach einer Beförderung mit einem Anstieg um rund 30 Prozent.
Reaktionen und Einordnung
Die UEFA betonte, dass die damals geltenden Regelungen zur Abwicklung von Ausscheiden eingehalten worden seien und verwies darauf, dass die internen Personalvorschriften seit 2016 verschärft worden seien. Vertreter der FIFA wiesen die Anschuldigungen entschieden zurück und bezeichneten sie als „kategorisch unwahr“.
„Jede Andeutung eines unangemessenen Verhaltens oder eines Verstoßes gegen Statuten oder Vorschriften ist diffamierend“, teilte ein FIFA-Sprecher dem Telegraph mit.
Die bestätigten Details – insbesondere die Kombination aus Abfindung und Übernahme hoher Studiengebühren – nähren jedoch erneut öffentliche Fragen nach Transparenz, Verantwortungsstrukturen und Kontrollmechanismen in internationalen Sportverbänden. Solche Zahlungen an Führungspersonen oder enge Mitarbeiterinnen sind in der Öffentlichkeit besonders sensibel, weil sie Vertrauen und Legitimität der Institutionen berühren.
Konsequenzen und offene Fragen
Konkrete disziplinarische oder rechtliche Folgen sind aus den vorliegenden Informationen nicht ableitbar; die UEFA hebt hervor, dass die Zahlungen den damals geltenden Regeln entsprachen. Dennoch dürfte die Angelegenheit die Diskussion um Compliance und Rechenschaftspflicht in europäischen und globalen Fußballverbänden wieder anheizen. Offen bleibt, welche internen Prüfungen – falls überhaupt – vorgenommen wurden und ob unabhängige Untersuchungen mögliche Interessenkonflikte oder Regelverstöße aufklären können.
In jedem Fall demonstriert der Fall, wie sensibel Personalentscheidungen und nachträgliche Zahlungen in Spitzenämtern des Sports wahrgenommen werden. Für die Verantwortlichen bedeutet dies, dass sie nicht nur formell korrekt handeln müssen, sondern auch transparent kommunizieren sollten, um das Vertrauen von Fans und Stakeholdern zu sichern.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Berichtetes Jahr der Abfindung | 2011 |
| Übernommene MBA-Gebühren (jährlich) | 52.500 Euro |
| Gehalt nach Beförderung (circa) | 160.000 CHF (≈171.000 Euro) |