Die Villacher Bürgergarde, die als Nachfolgerin historischer Stadtabwehr und Repräsentationskorps gilt, hat heuer eine bedeutende Einigung vorgenommen: zum ersten Mal werden Frauen als Gardistinnen aufgenommen. Damit endet eine mehr als zwei Jahrzehnte währende Männerdominanz in dem 2004 neu gegründeten Verein.
Geschichte und Neuerung
Die historischen Wurzeln der Bürgergarde reichen bis ins Jahr 1552, als sich Bürger zur sogenannten „Stadtguardia“ formierten, um den Aufenthalt Kaiser Karls V. in Villach zu begleiten. Das spätere "Villacher Bürgercorps" übernahm in der Folgezeit auch ordnungspolizeiliche Aufgaben, wurde aber 1856 aufgelöst. Die heutige Bürgergarde wurde im Jahr 2004 als Traditionsträger wiederbelebt und tritt seitdem bei zahlreichen städtischen und regionalen Anlässen auf.
Was sich ändert — und was bleibt
Laut Obmann und 1. Hauptmann Dr. Klaus J. Mitzner-Labrés haben die Verantwortlichen „sich dem Lauf der Zeit angepasst“ und öffnen die Reihen. Die neuen Gardistinnen erhalten die gleiche Uniform, Bewaffnung und Ausrüstung wie ihre männlichen Kameraden; ein einziger sichtbarer Unterschied bleibt beim Kopfschmuck: Während die traditionellen Gardisten den schweren Tschako tragen, werden die Frauen ein Barett tragen.
„Wir haben uns dem Lauf der Zeit angepasst und nehmen nun auch Gardistinnen auf.“ — Dr. Klaus J. Mitzner-Labrés
Aufgaben und Präsenz in der Region
Die Bürgergarde zählt derzeit 15 Mitglieder mit folgender Struktur:
- 10 aktive Gardisten
- 2 Fördermitglieder
- 1 Ehrenmitglied
- 2 Marketenderinnen
Zu den wichtigsten Aufgaben des Vereins gehören repräsentative Auftritte bei städtischen und militärischen Traditionsveranstaltungen. Genannte Stationen sind unter anderem der Villacher Kirchtag, die Traditionstage des Bundesheeres, die Feierlichkeiten rund um den 10. Oktober sowie Ausrückungen nach St. Veit, Millstatt und in weitere Gemeinden Kärntens.
Bedeutung für Villach
Die Entscheidung, Frauen als gleichberechtigte Gardistinnen zuzulassen, hat lokale Symbolkraft: Sie verbindet die Pflege historischen Brauchtums mit einer moderneren Vereinskultur. Für Bürgerinnen und Bürger in Villach bedeutet das konkret, dass bei kommenden Auftritten und Festen eine diversere Mitgliederstruktur sichtbar wird, ohne dass die traditionelle Bekleidung und die historischen Aufgaben wesentlich verändert werden.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1552 | Aufenthalt Kaiser Karl V.; Ursprung der Stadtguardia |
| 1856 | Auflösung des Villacher Bürgercorps |
| 2004 | Neugründung der Villacher Bürgergarde |
| 2026 | Erstmalige Aufnahme von Gardistinnen |
Die öffentliche Repräsentation der Stadt bleibt damit erhalten; zugleich signalisiert die Garde, dass Tradition anpassungsfähig ist. Für Interessierte an einer Mitgliedschaft oder für Veranstalter, die die Bürgergarde für Repräsentationsauftritte anfragen möchten, ist die Entwicklung ein Hinweis darauf, dass künftig sowohl männliche als auch weibliche Gardistinnen verfügbar sind.