Kultur

Studie: Kulturförderung bringt Berlin pro eingesetztem Euro rund 3,50 Euro zurück

Eine jüngst vorgelegte Untersuchung des Instituts für Kulturelle Teilhabeforschung weist der Kulturförderung in Berlin deutliche ökonomische Effekte zu und bezieht zugleich soziale Wirkungen wie kulturelle Bildung und individuelles Wohlbefinden in die Bewertung ein.

Studie: Kulturförderung bringt Berlin pro eingesetztem Euro rund 3,50 Euro zurück
©Illustration KI Elisabeth Ferstl / steirerblatt.at

Die neue Standortfaktor-Studie des Instituts für Kulturelle Teilhabeforschung (IKTf) hält konkrete Zahlen bereit, die in Debatten über Haushaltskürzungen Gewicht bekommen dürften: Für jeden in Kulturförderung investierten Euro fließen demnach 3,50 Euro zurück in die Stadt. Die Untersuchung wurde von der Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt finanziert und zielt darauf ab, die Verknüpfungen zwischen kultureller Förderung, Wertschöpfung und urbaner Attraktivität systematisch zu belegen.

Methodik und Kontext

Die Studie, die vom IKTf als außeruniversitärem Berliner Forschungsinstitut erstellt wurde, umfasst nicht nur klassische ökonomische Kennziffern. Sie berücksichtigt laut Projektleiterin Prof. Dr. Vera Allmannritter auch Effekte kultureller Bildung, Auswirkungen auf individuelles Wohlbefinden und die Bedeutung kultureller Angebote für die Arbeitgeberattraktivität von Unternehmen. Entstanden ist die Untersuchung vor dem Hintergrund einschneidender Sparmaßnahmen in Berlin und anderen Kommunen seit Ende 2024, die den Bedarf nach belastbaren Daten für kulturpolitische Argumente verstärkt haben.

Kernbefunde

  • Die Studie nennt eine Umwegrentabilität: 1 Euro Fördermittel erzeugt 3,50 Euro Rückflüsse in die Stadt.
  • Die Kultur- und Kreativwirtschaft nimmt in Berlin in Umsatz und Bruttowertschöpfung einen größeren Raum ein als die Industrie.
  • Regelmäßige Kulturbesuche haben demnach messbare Effekte auf das subjektive Wohlbefinden: Ab vier oder mehr Kulturbesuchen pro Jahr entspricht der Zugewinn an Wohlbefinden einem Nettoeinkommensgewinn von rund 2.700 Euro.
"Für jeden Euro investierter Fördermittel fließen 3,50 Euro zurück in die Stadt."

Politische Relevanz

Die Ergebnisse liefern der Berliner Kulturszene und ihren Verbänden argumentatives Material in Zeiten knapper Kassen. Dass die Senatsverwaltung die Studie finanziert hat, macht die Zahlen unmittelbar verwertbar für bevorstehende Haushaltsentscheidungen und die Auseinandersetzung um den Stellenwert von Kultur in der kommunalen Daseinsvorsorge. Zugleich betont die Institutsleitung die Unabhängigkeit der Forschung und die breit angelegte methodische Herangehensweise, um nicht nur monetäre, sondern auch soziale Wirkungen abzubilden.

Folgen für Kulturpolitik und Praxis

Die Studie legt nahe, Kulturförderung könne über direkte ökonomische Effekte hinaus zur Attraktivität einer Stadt für Bewohnerinnen, Besucherinnen und Unternehmen beitragen. Für Kulturinstitutionen bedeutet das: Argumente gegen Kürzungen lassen sich ökonomisch unterfüttern. Für die Verantwortlichen in Kommunen und auf Landesebene heißt es abzuwägen, ob kurzfristige Einsparungen langfristig teurere Folgen für Wirtschaftskraft, Standortimage und das soziale Wohlbefinden nach sich ziehen.

IndikatorWert
Rückfluss pro Euro Fördermittel3,50 €
Äquivalentes Wohlbefinden (≥4 Besuche/Jahr)2.700 € Nettoeinkommen

Die Studie beantwortet nicht alle Fragen; sie bietet jedoch eine Grundlage für sachliche Debatten darüber, wie Kultur als Standortfaktor und als Teil der sozialen Infrastruktur bewertet werden sollte. Vor den Landtags- und Kommunaldebatten bleibt es nun Aufgabe von Politik und Zivilgesellschaft, die Befunde in konkrete Entscheidungen zu übersetzen.

Elisabeth Ferstl
Elisabeth KI Redakteurin im Ressort Kultur online

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