Mehr private Zahlungen und ein Vertrauensproblem im öffentlichen System
Die von der SPÖ präsentierte Studie des Instituts für empirische Sozialforschung (IFES) legt nahe, dass sich die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum rund um Steyr-Land zunehmend privatisiert: 72 Prozent der Befragten im Bezirk gaben an, im vergangenen Jahr entweder eine private Kranken-Zusatzversicherung abgeschlossen zu haben oder für Leistungen, die eigentlich über die Krankenkasse hätten laufen können, selbst bezahlt zu haben. Zu diesen Leistungen zählen unter anderem Zahnfüllungen, Impfungen und Physiotherapie.
Dieser Wert liegt leicht über dem Oberösterreich-Schnitt von 70 Prozent und ist aus Sicht der SPÖ ein Indikator für wachsenden Druck auf das öffentliche Gesundheitssystem sowie für einen Vertrauensverlust der Patienten gegenüber der Kassenversorgung.
Unterschiede in Zugängen und Wahrnehmung
Die Studie hebt zudem hervor, dass neben der hohen privaten Eigenbeteiligung vor allem die Wahrnehmung einer Zwei-Klassen-Medizin verbreitet ist: 90 Prozent der Befragten sind der Auffassung, dass privat Versicherte schneller Termine oder Operationen erhalten, und 84 Prozent sehen bessere medizinische Leistungen für privat Versicherten. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass Menschen mit schlechterem Gesundheitszustand finanziell stärker belastet werden.
- 72 % der Befragten in den Bezirken Steyr, Steyr-Land, Kirchdorf und Gmunden haben privat bezahlt oder eine Zusatzversicherung abgeschlossen.
- 90 % glauben, Privatversicherte erhalten schneller Termine/Operationen.
- 84 % sehen bessere medizinische Leistungen für Privatversicherte.
- Steyr-Land liegt bei der Kassenärztedichte im Bezirksvergleich auf Platz 16 von 18.
Konkrete Forderungen der SPÖ
Als Reaktion fordert die SPÖ im Bezirk mehrere Maßnahmen, um die Versorgungssituation zu verbessern und die finanzielle Belastung der Bevölkerung zu reduzieren:
- mehr Kassenärzte im niedergelassenen Bereich,
- maximale Wartezeiten von einem halben Jahr für planbare Operationen,
- Ausbau der Gesundheitsvorsorge,
- mehr Plätze in der Basisausbildung für Ärztinnen und Ärzte sowie finanzielle Anreize für Vertragsabschlüsse mit der Krankenkasse.
„Die ÖGK ist gefordert, endlich in die Gänge zu kommen und im niedergelassenen Bereich die zugesagten Kassenarztstellen zu schaffen und offene zu besetzen.“
Dieses Zitat stammt von ÖVP-Klubobfrau Margit Angerlehner, die zugleich betont, dass auf Landesebene bereits in den Ausbau der Gesundheitsversorgung investiert werde. Sie verweist auf Maßnahmen wie Primärversorgungseinheiten, zusätzliche Ausbildungsplätze, moderne Großgeräte und eine Stärkung der notärztlichen Versorgung.
Lokale Bedeutung für Patientinnen und Patienten im Bezirk
Für Bewohnerinnen und Bewohner von Steyr-Land haben diese Erkenntnisse direkte Folgen: Wer keine Zusatzversicherung hat oder sich private Leistungen nicht leisten kann, muss offenbar längere Wartezeiten und eingeschränktere Zugänge in Kauf nehmen. Die niedrige Kassenärztedichte (Platz 16 von 18 im Bezirksvergleich) macht deutlich, dass der niedergelassene Bereich regional dünn besetzt ist. Das kann insbesondere für ältere Menschen, Pendler und Familien mit beschränktem Budget zu deutlichen Versorgungsnachteilen führen.
Was jetzt zu tun wäre — und was bereits passiert
Die politische Debatte zwischen SPÖ und ÖVP dreht sich darum, welche Ebene für Verbesserungen primär zuständig ist: Die SPÖ fordert zielgerichtete Maßnahmen zur Erhöhung der Kassenarztstellen und zur Ausbildung junger Ärztinnen und Ärzte. Die ÖVP verweist auf bereits getätigte Investitionen des Landes und verlangt, dass die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) die offenen Kassenarztstellen besetzt. Für die Bevölkerung bedeutet das: Kurzfristig sind klare Zusagen und deren rasche Umsetzung nötig, damit spürbare Verbesserungen bei Terminverfügbarkeit und ambulanten Versorgungsangeboten eintreten.
| Indikator | Wert |
|---|---|
| Privat bezahlt/Zusatzversicherung (Bezirk) | 72 % |
| Oberösterreich-Schnitt | 70 % |
| Wahrnehmung: privat schneller | 90 % |
| Wahrnehmung: bessere Leistungen privat | 84 % |
| Kassenärztedichte (Rang Steyr-Land) | 16 von 18 |
Die Zahlen der IFES-Studie liefern eine Grundlage für die politischen Forderungen und den weiteren Diskurs über die Gesundheitsversorgung im Bezirk. Für Betroffene und Interessierte bedeutet das: Beobachten, welche Maßnahmen Land und Krankenkasse in den kommenden Monaten setzen, und gegebenenfalls lokale politische Vertreter gezielt nach Umsetzungsplänen fragen.