Ab Juli wird in den Bezirken Kitzbühel und Kufstein die flächendeckende Ausrollung sogenannter Erneuerbarer Energiegemeinschaften (EEG) gestartet. Das Projekt, initiiert von den örtlichen Raiffeisenbanken, eröffnet Haushalten, Landwirten und Gewerbebetrieben die Möglichkeit, künftig direkt aus der Nachbarschaft ihren Strom zu beziehen oder selbst erzeugte Überschüsse in die Gemeinschaft zu geben.
Wie die Energiegemeinschaften funktionieren
Das Prinzip basiert auf unmittelbarer regionaler Verknüpfung von Erzeugung und Verbrauch: Wer eine Photovoltaik-Anlage installiert hat und tagsüber mehr Strom liefert, als der eigene Verbrauch benötigt, stellt den Überschuss der Gemeinschaft zur Verfügung. Damit können andere Mitglieder – vom Privathaushalt über die Bäckerei bis zum Handwerksbetrieb – den grünen Strom „vor Ort“ nutzen, statt Strom über große Entfernungen und den Zwischenhandel an der Börse zu beziehen.
- Teilnehmer: Haushalte, Landwirte, Gewerbebetriebe
- Erzeuger: vor allem PV-Anlagen auf Dächern
- Vertrieb: regional innerhalb der Energiegemeinschaft
Erwartete Vorteile für die Region
Die Initiatoren heben mehrere Effekte hervor: Kurzfristig soll das regionale Stromnetz entlastet werden, langfristig sollen Wertschöpfung und Einnahmen in den Gemeinden bleiben. Zudem ermöglichen die Gemeinschaften laut Projektbetreuung transparent festgelegte Tarife innerhalb der Genossenschaften, wodurch Planungssicherheit für Produzenten und Verbraucher geschaffen werden soll – unabhängig von volatilen Preisen an internationalen Strombörsen.
„Ziel ist es, dass der Strom bleibt, wo er entsteht“
Für Verbraucher bedeutet das konkret: Wenn etwa am Nachmittag die Sonne kräftig scheint, kann der Überschuss einer Haus-PV den örtlichen Bäcker oder den Handwerksbetrieb im Ort versorgen; umgekehrt kann bei Flaute auf bestehende Kapazitäten aus Wasserkraft in der Region zurückgegriffen werden. Der Gedanke ist, Energie von Mensch zu Mensch und von Gemeinde zu Gemeinde zu handeln.
Teilnahme und Beratung
Zum Mitmachen werden ausdrücklich alle eingeladen – sowohl reine Verbraucher, die regionalen Ökostrom beziehen möchten, als auch Besitzer von PV-Anlagen, die Überschüsse verkaufen wollen. Beratung und Auskunft zu den Energiegemeinschaften bieten die teilnehmenden Raiffeisenbanken in den Bezirken Kitzbühel und Kufstein sowie die Informationsplattform regenerative.at.
| Start | Region | Initiator |
|---|---|---|
| Juli | Kitzbühel, Kufstein | Raiffeisenbanken |
Für Kommunen und lokale Unternehmen stellt das Modell eine Chance dar, Energiekosten stabiler zu gestalten und Einnahmen in der Region zu halten. Ob sich die EEGs in der Praxis rasch etablieren, hängt von Teilnahmebereitschaft, der Zahl der installierten Erzeugungsanlagen und der Ausgestaltung der innergenossenschaftlichen Tarife ab. Die angekündigte flächendeckende Ausrollung macht den Sommer 2026 im Unterland zu einem relevanten Testfeld für regionale Energiewende-Modelle.
Weitere Informationen und Beratungsangebote sind bei den regionalen Raiffeisenbanken sowie unter regenerative.at erhältlich.