Schubertiade in Hohenems: Jubiläum und Nachwuchs
Die Schubertiade, das seit fünf Jahrzehnten stattfindende Kammermusik- und Lied-Festival in Vorarlberg, machte auch 2026 wieder Station in Hohenems. Im Markus-Sittikus-Saal standen neben etablierten Werken vor allem junge Künstler im Fokus; mehrere Konzerte boten dem Publikum in Bodenseenähe neue Namen und klangliche Entdeckungen.
Die Schubertiade wurde 1976 von Hermann Prey und dem Impresario Gerd Nachbauer gegründet. Das Festival wechselt traditionell zwischen Schwarzenberg und Hohenems; in Hohenems wurden in der aktuellen Saison fünf der sechs Konzerte besucht.
Programme und Deutungen
Die besprochenen Programme reichten von einer historisch interessierenden Urfassung eines Brahms-Trios bis zu Schuberts großem Klaviertrio D 929 und einem Liederabend mit ungewöhnlichem Repertoire. Auffällig war die Tendenz, jungen Interpreten Raum zu geben und zugleich Werke zu wählen, die das Zusammenspiel sowie solistische Qualitäten herausstellen.
- Brahms: Klaviertrio H-Dur op. 8 in der Urfassung (1853/54) – gespielt von Tobias Feldmann (Violine), Victor Julien-Laferrière (Violoncello) und Guillaume Bellom (Klavier).
- Schubert: Klaviertrio Es-Dur, D 929 – dieselbe Besetzung zeigte große Spielfreude, die melancholischen Längen wurden jedoch als etwas zurückhaltend bewertet.
- Liederabend: Samuel Hasselhorn (Bariton) mit Ammiel Bushakevitz (Klavier) – neben bekannten Liedern wie „An Silvia“, „Wanderer an den Mond“ oder „Alinde“ wurden auch selten Gehörtes wie „Fischerweise" (Franz Xaver Schlechta) und „Der Vater mit dem Kind" (Eduard von Bauernfeld) präsentiert.
„Ein bewegender musikalischer Hochgenuss!“
Das Zitat spiegelt eine begeisterte Wahrnehmung einzelner Darbietungen wider; zugleich wurden differenzierte Beobachtungen zur Interpretation festgehalten. So wurde die Spielfreude der Kammerformationen gelobt, während die tiefergehende Melancholie in Schuberts D 929 nach Ansicht der Rezensenten etwas zu kurz gekommen sei. Der Bariton Samuel Hasselhorn beeindruckte insbesondere durch seine Textverständlichkeit, seine stählerne Klangfarbe wurde als „metallisch‑glänzend" beschrieben; gelegentlich wünschte man sich mehr lyrische Farbgebung.
Was bedeutet das für Hohenems?
Für die lokale Kulturszene bestätigt die Schubertiade in Hohenems erneut ihre Rolle als bedeutende Bühne für Kammermusik und Liedkunst. Die Entscheidung, jungen Namen Auftrittsmöglichkeiten zu geben, bringt dem Publikum neue, manchmal ungewohnte Hörerfahrungen und stärkt die Position Hohenems als Konzertort in der Region. Gleichzeitig zeigen die Konzertberichte, dass das Publikum anspruchsvolle, differenzierte Interpretationen erwartet.
Die dokumentierten Programme und die besprochenen Elemente bieten Impulse für künftige Abonnenten und Konzertgäste: Wer Interesse an historisch informierten Fassungen, dem Zusammenspiel junger Kammerensembles oder ungewöhnlichen Liederprogrammen hat, findet in Hohenems ein vielfältiges Angebot.
| Werk | Interpreten | Bemerkung |
|---|---|---|
| Brahms: Klaviertrio H-Dur op. 8 (Urfassung) | Tobias Feldmann, Victor Julien-Laferrière, Guillaume Bellom | Urfassung mit vielen solistischen Passagen |
| Schubert: Klaviertrio Es-Dur, D 929 | Feldmann / Julien-Laferrière / Bellom | Spielfreude stark, melancholische Tiefen etwas blass |
| Liederabend (u.a. Schubert, Schlechta, Bauernfeld) | Samuel Hasselhorn (Bariton), Ammiel Bushakevitz (Klavier) | Hervorgehobene Textverständlichkeit, stählerner Baritonklang |
Insgesamt präsentiert sich die Schubertiade 2026 in Hohenems als Forum für junge Künstler und als kultureller Ankerpunkt, dessen Programm sowohl musikalische Qualität als auch interpretatorische Diskussionspunkte bietet.