Der oberösterreichische Faserhersteller Lenzing ist seit Ende der 1990er-Jahre in Heiligenkreuz (Bezirk Jennersdorf) präsent. Das Werk, das 1997 eröffnet wurde, durchlief in den knapp 30 Jahren seiner Existenz wechselnde Phasen von Expansion, Absatzproblemen und Wiederaufbau. Nun, nach Angaben des Unternehmens, soll der Standort zum Jahresende geschlossen werden.
Historische Entwicklung und Bedeutung für die Region
Der Standort in Heiligenkreuz entstand in den frühen 1990er-Jahren, als Lenzing seine Produktionskapazitäten erweitern wollte. Die Wahl fiel auf Heiligenkreuz unter anderem aufgrund von EU-Fördermitteln aus dem Ziel-1-Topf. Bei der Eröffnung 1997 bezeichnete der damalige Landeshauptmann Karl Stix die Ansiedlung als "eine neue Ära in der Industriegeschichte des Landes".
Nach anfänglichen Problemen bei der Marktpositionierung der Faser erholte sich das Werk: 2007 wurde die Maximalauslastung erreicht. 2017 flossen weitere Investitionen — 70 Millionen Euro — und das Werk galt damals als "langfristig abgesichert". Dennoch prägten auch Krisen die Entwicklung: 2022 führten die Corona-Pandemie und hohe Gaspreise zu Kurzarbeit; ein Jahr später war wieder Vollbetrieb, gefolgt von Personalabbau.
„Die langfristigen Aussichten sind nicht schlecht. Die Weltbevölkerung wächst und Textilien werden immer gebraucht.“
Dieses Zitat aus früheren Aussagen des Lenzing-Vorstands illustriert, wie sich die Einschätzung zur Zukunft der Faserbranche verändert hat. Trotz solcher optimistischen Bewertungen wurde nun die Schließung des Werks in Heiligenkreuz angekündigt.
Konkrete Folgen für Beschäftigte und Region
Die angekündigte Schließung trifft Beschäftigte direkt: Arbeitsplätze werden wegfallen, Beschäftigte stehen vor der Suche nach neuen beruflichen Perspektiven. Für den Bezirk Jennersdorf hat das mehrere Effekte:
- Wegfall von Industriearbeitsplätzen mit Auswirkungen auf lokale Kaufkraft und Zulieferbetriebe.
- Belastung für den regionalen Arbeitsmarkt, insbesondere für Fachkräfte aus der Chemie- und Produktionsbranche.
- Risiko eines negativen Signals für weitere Investoren in der Region.
Öffentliche Stellen und Sozialpartner sind nun gefordert, kurzfristige Unterstützung und Begleitung für Betroffene sicherzustellen. Dazu gehören arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, Qualifizierungsangebote und individuelle Beratungen. Bislang liegen keine zusätzlichen Zahlen zu betroffenen Beschäftigten oder einem Zeitplan für Sozialmaßnahmen vor.
Kurzzeitige Wendepunkte in der Standortgeschichte (Auswahl)
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1997 | Eröffnung des Werks in Heiligenkreuz |
| 2007 | Maximale Auslastung erreicht |
| 2017 | Investition von 70 Millionen Euro |
| 2022 | Kurzarbeit wegen Pandemie und hohen Gaspreisen |
| 2023 | Wieder Vollbetrieb, später Personalabbau |
| 2026 | Angekündigte Schließung zum Jahresende |
Für die Menschen im Bezirk bedeuten diese Entwicklungen, dass längerfristig an einer wirtschaftlichen Neuausrichtung gearbeitet werden muss, um entstehende Versorgungslücken zu füllen. Lokale Behörden, Kammern und Arbeitsmarktservice werden in den kommenden Wochen und Monaten zentrale Ansprechpartner für Betroffene sein.
Die Schließung markiert einen Einschnitt in die knapp 30-jährige Präsenz eines großen Industriebetriebs im Bezirk Jennersdorf. Entscheidend wird nun sein, wie rasch Unterstützungsmaßnahmen umgesetzt und wie gut Alternativangebote in der Region koordiniert werden.