Der börsennotierte Konzern Lenzing hat angekündigt, die Produktion im Lyocell-Werk in Heiligenkreuz bis Ende 2026 einzustellen. Von der Entscheidung sind nach Unternehmensangaben 285 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort betroffen. Die Maßnahme erfolgt neben bereits kommunizierten Einschnitten in der Verwaltung und im Rahmen einer umfassenden strategischen Neuausrichtung des Konzerns.
Was der Schritt für den Bezirk bedeutet
Für den Bezirk Jennersdorf ist der Schritt bedeutend: ein Werk mit mehreren hundert Arbeitsplätzen prägt nicht nur die unmittelbare Beschäftigungslage, sondern hat auch Auswirkungen auf Zulieferbetriebe, lokale Dienstleister und die Kaufkraft in der Region. Kurzfristig sind Entlassungen, betriebliche Umstrukturierungen oder Änderungen der Einsatzzeiten denkbar. Langfristig steht die Frage im Raum, ob ein Verkauf oder eine andere Fortführungsform lokale Arbeitsplätze erhalten kann.
Reaktion des Unternehmens und Perspektiven
Lenzing begründet den Schritt mit der schwierigen Marktlage im Bereich der Cellulosefasern und einer strategischen Neuausrichtung. Parallel zur geplanten Einstellung prüft das Unternehmen laut Mitteilung strategische Optionen für den Standort, darunter einen möglichen Verkauf oder andere Lösungen zur Fortführung des Betriebs. Sollte keine tragfähige Lösung gefunden werden, sei ein geordnetes Herunterfahren geplant.
„Der Schritt ist schmerzhaft, aber notwendig“, so Lenzing-CEO Georg Kasperkovitz laut Unternehmensmitteilung.
Das Unternehmen will die Neuausrichtung finanziell absichern: Geplant ist eine Kapitalerhöhung von bis zu 300 Millionen Euro und weitere Finanzierungsvereinbarungen. Gleichzeitig investiert Lenzing jedoch in ausgewählte Standorte, etwa in den Ausbau des Stammwerks in Oberösterreich und in die Weiterentwicklung der Anlage in Mobile (USA).
Arbeitsplatzsicherung und Sozialplan
Für die Betroffenen besteht laut Lenzing bereits ein Sozialplan. Konkrete Details zu Abfertigungsregelungen, Umschulungen oder internen Versetzungsmöglichkeiten nannte die Unternehmensmitteilung nicht. Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitnehmerseite werden laut Lenzing in die Gespräche eingebunden, um „verantwortungsvolle Lösungen“ auszuarbeiten.
- Betroffene Arbeiter: 285 Personen am Standort Heiligenkreuz
- Zeithorizont: Produktionseinstellung bis Ende 2026
- Weitere Konzernmaßnahmen: Werk in Grimsby (UK) soll bis Ende 2027 schließen; Viskosestandort Indonesien im Verkaufsprozess
- Finanzziel: Einsparungen durch Performance-Programm und geplante Kapitalerhöhung (bis zu 300 Mio. Euro)
Was Betroffene jetzt tun sollten
Beschäftigte im Werk sollten sich sofort über die bestehenden internen Informationskanäle und Betriebsvereinbarungen informieren. Wichtige Schritte sind:
- Kontaktaufnahme mit dem Betriebsrat, um konkrete Ansprüche aus dem Sozialplan zu klären.
- Angebote der regionalen Arbeitsmarktservicestelle (AMS) prüfen: Arbeitslosmeldung, Weiterbildung, Umschulung und Beratungsangebote.
- Prüfung von Unterstützungsangeboten durch Gemeinde, Landesstellen oder Arbeitnehmerkammern.
Für die lokale Wirtschaft sind Gespräche zwischen Gemeinde, Wirtschaftsvertretern und dem Unternehmen wichtig, um mögliche Käufer oder Investoren für den Standort zu finden und Übergangsmaßnahmen zu koordinieren.
| Faktor | Angabe |
|---|---|
| Anzahl betroffener Stellen | 285 |
| Zeitraum Produktionseinstellung | bis Ende 2026 |
| Geplante Konzern-Kapitalmaßnahme | bis zu 300 Mio. Euro |
Die Ankündigung erzeugt in Heiligenkreuz und im Bezirk Unsicherheit. Ob und in welchem Umfang Arbeitsplätze erhalten bleiben können, hängt wesentlich vom Verlauf der zu prüfenden strategischen Optionen und von möglichen Interessenten für einen Standortkauf ab. Für viele Beschäftigte dürfte die bevorstehende Zeit von Gesprächen mit dem Betriebsrat und dem AMS geprägt sein.
Weitere Informationen sollen folgen, sobald Lenzing und die Arbeitnehmervertretungen konkrete Regelungen zum Sozialplan und zum weiteren Vorgehen bekanntgeben.