„Offroad ist noch echter Sport“ — aber die Sicherheit hinkt hinterher
Heinz Kinigadner, zweifacher Motocross-Weltmeister und Mitgründer der Stiftung Wings for Life, zieht im Gespräch mit SPEEDWEEK.com eine ernüchternde Bilanz der Sicherheit im Geländesport. Für ihn bleibt der Offroad-Motorsport zwar die „Königsdisziplin“, weil der Fahrer im Mittelpunkt steht, doch diese Faszination darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie oft Systeme versagen, wenn es um schwere Verletzungen geht.
Lehrstück eines Systemversagens
Kinigadner macht den Fall des jungen Franzosen Thibault Benistant zum Mahnmal: Bei einem Vorfall in Frankreich lag Benistant laut Kinigadner vier Stunden an der Strecke, bevor er ins Krankenhaus gebracht werden konnte. Zudem sei im Krankenhaus kein Neurologe vorab über die Veranstaltung informiert gewesen. Für Kinigadner ist das kein Einzelfehler, sondern ein strukturelles Problem: Im Offroad-Sport fehle oft die professionelle Vorbereitung auf schwerwiegende Verletzungen.
„Der Offroad-Sport ist immer noch meine Welt, die mir so gut gefällt wie nichts anderes. (…) Aber wir bewegen uns beim Offroad-Sport immer noch unglaublich dilettantisch.“
Was Kinigadner kritisiert — und worauf er verweist
Er benennt mehrere Defizite klar beim Namen: fehlende Luftrettung bei WM-Läufen, mangelnde Abstimmung mit Krankenhäusern und eine ungenügende Ausbildung der Verantwortlichen vor Ort. Kinigadner erinnert jedoch auch daran, dass es bereits Versuche gab, Verbesserungen umzusetzen: Bei Supercross-Veranstaltungen seien Manager zusammengebracht worden, um sie unter der Leitung von Prof. Jan Schwab in der richtigen Behandlung verletzter Fahrer zu schulen — orientiert an einem Protokoll, das im Eishockey in den USA Anwendung findet.
- Fehlende Luftrettung: Kinigadner betont, dass bei WM-Läufen oft kein Hubschrauber vorgehalten wird.
- Verspätete Hospitalisierung: Beispiel Thibault Benistant: vier Stunden an der Strecke bis zum Transport.
- Unzureichende Krankenhauskoordination: Kein vorinformierter Neurologe in dem benannten Fall.
Folgen und Forderungen
Die von Kinigadner geschilderten Mängel haben weitreichende Konsequenzen: Sie betreffen die unmittelbare Patientenversorgung, die Haftungsfrage bei Veranstaltern und Promotern sowie das Vertrauen von Fahrern und Teams in die Bereitschaft des Sports, schwere Verletzungen ernsthaft vorzubereiten. Kinigadner spricht sich dafür aus, aus den bereits existierenden Initiativen zu lernen und verbindliche Standards einzuführen — von der Ausbildung der Einsatzleiter bis zur Abstimmung mit regionalen Kliniken.
| Problem | Konkretes Beispiel |
|---|---|
| Fehlende Luftrettung | Bei WM-Läufen kein Helikopter vor Ort |
| Verspätete Versorgung | Thibault Benistant: 4 Stunden an der Strecke |
| Schlechte Krankenhauskoordination | Kein vorinformierter Neurologe beim genannten Vorfall |
Kinigadners Appell ist klar: Wer einen Sport als besonders herausfordernd und gefährlich anerkennt, muss auch die medizinische Infrastruktur liefern, die das Risiko mindert. Die Erfahrung aus anderen Sportarten werde bereits genutzt — die Herausforderung besteht darin, diese Standards flächendeckend und verbindlich im Offroad-Sport umzusetzen.
Die Debatte betrifft nationale Veranstalter, Verbände und Träger medizinischer Versorgung gleichermaßen. Kinigadners Einordnung macht deutlich: Es geht nicht nur um Imagepflege, sondern um konkrete Maßnahmen, die Leben und Gesundheit von Sportlern schützen können.