Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Sachsen warnt vor negativen Folgen für das kommende Schuljahr, falls die geplanten Änderungen für den Lehrkräftenachwuchs umgesetzt werden. Im Zentrum der Kritik steht die Entscheidung, Referendare künftig mit 14 Stunden pro Woche in den Unterricht einzusetzen statt bisher 12 Stunden. Das sächsische Kultusministerium erwartet dadurch eine Erhöhung der Unterrichtskapazität um 150.000 Stunden, um Unterrichtsausfall zu reduzieren.
Belastung und Abwanderungsrisiko
Für die GEW ist diese Erhöhung problematisch: Eine stärkere physische und zeitliche Belastung während des Vorbereitungsdienstes könne zu mehr Abbrüchen führen und damit den Mangel an Lehrkräften verschärfen. Zudem hat das Ministerium eine bisher gezahlte Landprämie für viele Referendare an Grundschulen gestrichen. Bislang erhielten Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst einen Grundbetrag von 1.795,10 Euro brutto monatlich; hinzu kam für Einsätze außerhalb von Dresden und Leipzig ein Sonderzuschlag von 1.250 Euro brutto pro Monat.
„Die Referendare werden zur Bedarfsdeckung genutzt, ohne dass sie eine angemessene Vergütung bekommen“,
so GEW-Chef Burkhard Naumann gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Er bezeichnete die Streichung der Prämie als einen Vertrauensbruch, da viele Betroffene ihre Entscheidung für ein Referendariat unter der Erwartung dieses Zuschlags getroffen hätten.
Auswirkungen auf Schulen und Unterricht
Die GEW weist darauf hin, dass fehlende Wertschätzung und mangelnde Verlässlichkeit die Bindung junger Lehrkräfte an das Schulsystem gefährden. Abordnungen an andere Schulen sowie eine hohe Wechselbereitschaft nähmen zu und schafften Unruhe im Schulalltag. Naumann betont, dass dies nicht nur Personalfragen betreffe, sondern auch die Qualität des Unterrichts beeinträchtige.
- Für Eltern: Steigende Fluktuation kann zu häufigerem Lehrkräftewechsel und Lücken im Stundenplan führen.
- Für Lehramtsanwärter: Höhere Unterrichtsverpflichtungen bedeuten größere Belastung während der Ausbildung; finanzielle Unterstützung wurde in Teilen reduziert.
- Für Schulen: Kurzfristige Planungssicherheit sinkt, weil Abordnungen und Abgänge häufiger werden können.
Konkrete Zahlen im Überblick
| Aspekt | Vorher | Neu / Effekt |
|---|---|---|
| Wochenstunden Referendare | 12 Stunden | 14 Stunden |
| Erwartete Zusatzkapazität | — | +150.000 Stunden |
| Monatliche Grundvergütung (Vorbereitungsdienst) | — | 1.795,10 € brutto |
| Sonderzuschlag außerhalb DD/LE | — | 1.250 € brutto (bisher) |
Die Diskussion in Sachsen zeigt typische Spannungsfelder: kurzfristige Bedarfsdeckung versus langfristige Personalbindung. Maßnahmen, die die Einsatzstunden der Lehramtsanwärter erhöhen, mögen den akuten Mangel lindern, können aber unbeabsichtigte Folgen für Ausbildungserfolg und Verweildauer im Beruf haben.
Für den österreichischen Kontext ist die sächsische Debatte ein Hinweis: Wer Lehrkräfte gewinnen und halten will, muss neben Arbeitszeitregelungen auch Vergütung, Ausbildungskonditionen und Perspektiven ernsthaft berücksichtigen. Eltern und Schulgemeinschaften sollten die kommenden Entscheidungen beobachten, da diese direkte Auswirkungen auf Unterrichtskontinuität und Lernerfolg haben können.