Ein stählernes Relikt der Industriegeschichte im Stadtbild von Fürstenfeld
Die über den Stadtgraben von Fürstenfeld führende ATW‑Brücke ist mehr als ein kurzer Fußweg: Sie ist ein Zeugnis industrieller Infrastruktur und städtischer Vernetzung. Errichtet in den Jahren 1884 bis 1886, diente sie ursprünglich dem Anschluss des Fabriksgeländes der Austria Tabakwerke an das gegenüberliegende Tabaklager — ein zentraler logistikbezogener Verbindungspunkt bis zur Schließung der Tabakwerke im Jahr 2005.
Bautechnisch ist die Brücke durch ihre genietete Stahlkonstruktion charakterisiert; ausgeführt wurde sie von der k.k. priv. Maschinenfabrik und Eisengießerei J. Körösi aus Graz. Mit einer Gesamtlänge von 65 Metern und einer Oberkante des Stegbodens, die 18 Meter über dem Talboden der Feistritzgasse liegt, ruht das Tragwerk auf drei vierstelligen Fachwerkstützen. Die verwendete Nieten‑Ausführung weist eine Verwandtschaft zu jenen Verbindungstechniken auf, die wenige Jahre später auch beim Bau des Pariser Eiffelturms (Weltausstellung 1889) eingesetzt wurden.
Vom Industrieanschluss zur Fußgängerbrücke: Nutzung und stadtplanerische Bedeutung
Heute ist die ATW‑Brücke denkmalgeschützt und wird als Verbindung für Fußgänger und Radfahrende genutzt. Sie verbindet das JUFA‑Hotel mit den restaurierten Gebäuden der ehemaligen Tabakfabrik und dem Zentrum der historischen Grenz‑ und Garnisonsstadt. Damit erfüllt das Bauwerk weiterhin eine städtische Verkehrs‑ und Erschließungsfunktion — wenn auch in veränderter Form: Aus industriellem Transport wurde städtische Durchwegung und touristischer Zugang.
- Historische Funktion: Verbindung Fabrikgelände ↔ Tabaklager (Transport von Tabakblättern).
- Bauliche Merkmale: genietetes Stahltragwerk, drei Fachwerkstützen, 65 m Länge, 18 m Höhe.
- Aktuelle Nutzung: Fußgänger‑ und Radverbindung, Bestandteil des Themenweges zur Befestigungsanlage.
Die Brücke ist zudem ein Baustein des regionalen Erlebnisangebots: Sie ist in den Themenweg eingebunden, der die ehemalige Befestigungsanlage der Stadt und die restaurierten Fortifikationen thematisiert. Solche Verknüpfungen erhöhen die lokale Aufenthaltsqualität und bieten Orientierung für Besucherinnen und Besucher, die sich für die Stadtgeschichte interessieren.
Konkrete Bedeutung für Fürstenfelderinnen und Fürstenfelder
Für Bewohnerinnen und Bewohner bedeutet die Erhaltung der ATW‑Brücke mehrfache Vorteile: Sie sichert eine direkte Fuß‑ und Radverbindung im innerstädtischen Bereich, trägt zur Identifikation mit der städtischen Geschichte bei und stärkt das touristische Angebot — insbesondere in Verbindung mit Punkten wie dem neu eröffneten Austropop‑Museum und den restaurierten Fabriksbauten. Die Brücke ist damit sowohl ein Kulturerbe als auch ein praktisches Element der Stadtinfrastruktur.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Baujahre | 1884–1886 |
| Gesamtlänge | 65 m |
| Höhe Stegboden | 18 m |
| Ausführende Firma | k.k. priv. Maschinenfabrik und Eisengießerei J. Körösi (Graz) |
| Ursprüngliche Funktion | Verbindung Fabrik ↔ Tabaklager (Tabaktransport) |
Insgesamt zeigt die ATW‑Brücke, wie historische Industriearchitektur in Fürstenfeld in die Gegenwart überführt werden kann: als Verkehrsweg, als Denkmal und als Teil eines kulturellen Angebots. Für die laufende Stadtsanierung und den Umgang mit denkmalgeschützter Bausubstanz bleibt sie ein konkretes Beispiel dafür, wie technische Bauwerke stadtbildprägend bleiben können.