Trockenheit trifft Agrarbetriebe im Bezirk Murtal
Die anhaltende Dürre und zuletzt schwankende Witterung haben die Landwirtschaft im Bezirk Murtal deutlich getroffen. Betroffen sind insbesondere Grünland, Mais, Erdäpfel und Braugerste. Auf Feldern in Möbersdorf bei Spielberg zeigt sich das Ausmaß der Schäden: Maispflanzen erreichen nur rund 1,60 Meter statt der üblichen zwei bis drei Meter.
"Eigentlich müsste der Mais zwei bis drei Meter hoch sein"
Die Kombination aus frühem Frost im März, gefolgt von längeren Hitzeperioden und unregelmäßigem Regen hat die Kulturentwicklung gestört. Auf vielen Flächen konnten die Pflanzen die Niederschläge schlichtweg nicht mehr verwerten, was die Entwicklung und die Qualität beeinträchtigt.
Konkrete ökonomische Folgen
Für die regionalen Saatbau- und Ackerbaubetriebe hat dies direkte finanzielle Auswirkungen. Beim Anbau von Braugerste, die in der Region in großem Umfang für das Murauer Bier produziert wird, verschlechterte sich die Qualität vieler Bestände durch sogenannten Zwiewuchs: Während einzelne Ähren bereits reif waren, bildeten sich gleichzeitig neue grüne Triebe. Dadurch passen Keimfähigkeit und Eiweißgehalt nicht mehr zur Brauqualität.
- In normalen Jahren können rund 98 Prozent der Ernte als Braugerste verkauft werden.
- Heuer erfüllt laut Angaben vor Ort nur noch etwa die Hälfte die Qualitätsanforderungen für Braugerste; der Rest muss als Futtergerste vermarktet werden.
- Der Erlös aus der minderwertigeren Vermarktung liegt nach Angaben der Bauern etwa bei der Hälfte des normalen Preises.
Auch beim Kartoffelanbau zeichnen sich schwere Schäden ab: Auf leichten, sandigen Böden drohen Totalausfälle, da das Kraut bereits liegt und Knollen in ihrer Größe stagnieren. Bei einzelnen Betrieben wird mit rund 30 Prozent Ertragsverlust gerechnet.
Beim Mais ist die Ernte ebenfalls beeinträchtigt; die Kombination aus Frostschäden und anhaltender Trockenheit führt zu einem deutlich geringeren Ertrag.
Was das für die Menschen im Murtal bedeutet
Die Ertragsrückgänge schlagen unmittelbar auf die Wirtschaftsleistung der betroffenen Höfe durch: Sinkende Preise für Futtermittelgerste und geringere Kartoffel- und Maiserträge belasten Einkünfte und Liquidität. Für Regionen, in denen ein größerer Teil der Anbauflächen auf bestimmte Verwertungen (etwa Braugerste für regionale Brauereien) ausgerichtet ist, bedeutet das auch höhere Unsicherheit in der Versorgungskette und mögliche Anpassungen bei Vertragslieferungen.
Für Landwirtinnen und Landwirte bedeutet die Situation erhöhte Planungsunsicherheit: Maßnahmen wie angepasste Fruchtfolgen, Beregnung (wo möglich) oder andere betriebliche Anpassungen können kurzfristig nicht flächendeckend umgesetzt werden und erfordern Investitionen.
| Betroffene Kultur | Erwartete Folgen (laut Landwirten vor Ort) |
|---|---|
| Braugerste | Nur etwa 50% erfüllt Brauqualität; Rest Futtergerste |
| Erdäpfel | Auf betroffenen Böden teils Totalausfälle; ~30% Ertragsrückgang an einigen Höfen |
| Mais | Pflanzen deutlich kleiner (~1,60 m); Ertragsrückgang |
Langfristige Auswirkungen hängen vom weiteren Witterungsverlauf und möglichen Unterstützungsmaßnahmen ab. Kurzfristig sind betroffene Betriebe auf Beratung, Liquiditätshilfen und flexible Märkte angewiesen, um Ausfälle zu kompensieren und Betriebssicherheit zu gewährleisten.
Die Lage im Murtal macht deutlich, wie verwundbar regionale Agrarstrukturen gegenüber klimatischen Extremereignissen sind. Für Konsumentinnen und Konsumenten sowie Gewerbebetriebe in der Region können sich dadurch Preis- und Lieferänderungen ergeben, etwa bei Kartoffeln oder bei lokal gebrauten Biersorten, deren Rohstoffversorgung aus dem Bezirk stammt.