Meisterhafte Aufführung in der Pfarrkirche Sankt Gallus
Der Chor des Bayerischen Rundfunks trat am Dienstagabend in der Pfarrkirche Sankt Gallus in Bregenz auf und bot ein Programm, das die musikalischen Linien innerhalb der Familie Bach über mehrere Generationen hinweg in den Mittelpunkt stellte. Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt; das Publikum erlebte eine Abfolge von Stücken, die sowohl dem großen Johann Sebastian Bach als auch seinen Verwandten gewidmet waren.
Die Auswahl reichte von Werken Johann Michaels und Johann Christophs bis zu Kompositionen von Carl Philipp Emanuel Bach, dem Sohn Johann Sebastians. Dadurch wurde ein Eindruck der stilistischen Entwicklung über drei Generationen deutlich: Unterschiede in Form, Ausdruck und kompositorischer Handschrift waren hörbar, sodass das Repertoire nicht nur chronologisch, sondern auch interpretatorisch reizvoll war.
Klang, Präzision und Besetzung
Den Abend prägten die Helldynamik der Sopranstimmen, die Klarheit des Chorklangs und die genaue Intonation der insgesamt 28 Stimmen. Klanglich unterstützte eine Continuogruppe den Auftritt, zu der neben dem Organisten auch der Lautenist Axel Wolf und der Gambist beziehungsweise Kontrabassist Günter Holzhausen zählten. Das Orgelstück spielte Max Hanft, dessen Beitrag den konzertanten Rahmen eröffnete und die Verbindung zwischen Solopartien und vollem Tutti herstellte.
Die Programmgestaltung gewährte wechselnde Besetzungen: Soli und kleinere Ensembles wechselten sich mit vollem Chor ab, sodass die unterschiedlichen Klangfarben der Kompositionen zur Geltung kamen. Sowohl die andächtigen Momente als auch die jubelnden Passagen des Gotteslobs wurden mit hoher stilistischer Sensibilität vorgetragen.
Detail: Ein Werk als unerwartete Entdeckung
Interessanterweise wies das Programmheft das letzte Stück einem weniger bekannten Komponisten der Familie zu, doch für viele Zuhörer war die Motette stimmlich eindeutig Johann Sebastian Bach zuzuschreiben. Derartige Zuschreibungsfragen sind in der Bach-Forschung nicht ungewöhnlich und zeigen, wie dicht die historischen Quellen und musikalischen Handschriften oft beieinanderliegen.
"Singet dem Herrn ein neues Lied"
Diese Motette, im Programm als Werk von Johann Christoph ausgewiesen, wurde vom Chor mit solcher Autorität vorgetragen, dass sie im Ohr viele Zuhörer sofort mit Johann Sebastian verbanden.
Bedeutung für das lokale Kulturleben
Der Auftritt des Chores des Bayerischen Rundfunks ist für Bregenz insofern bedeutsam, als er die Verbindung der Stadt zu den Bregenzer Festspielen und zu international maßgeblichen Ensembles unterstreicht. Solche Konzerte stärken das kulturelle Angebot im Bezirk, ziehen Publikum aus der Region an und geben Impulse für musikalische Bildung und Aufmerksamkeit für historische Aufführungspraxis.
- Ort: Pfarrkirche Sankt Gallus, Bregenz
- Ensemble: Chor des Bayerischen Rundfunks
- Instrumentalisten: Max Hanft (Orgel), Axel Wolf (Laute), Günter Holzhausen (Gambe/Kontrabass)
- Repertoire: Werke aus der Familie Bach (Johann Sebastian, Johann Michael, Johann Christoph, Carl Philipp Emanuel)
| Element | Wert |
|---|---|
| Stimmen | 28 |
| Kirche | Sankt Gallus |
| Begleitgruppe | Continuo mit Orgel, Laute, Gambe/Kontrabass |
Für Liebhaber historischer Chormusik blieb der Abend ein klarer Gewinn: Die Darbietung bot zugleich musikalische Qualität und einen lokal nachvollziehbaren Bezug zu den Aktivitäten der Festspielstadt. Solche Veranstaltungen zeigen, wie internationale Ensembles das kulturelle Profil von Bregenz stärken und vor Ort musikalische Spitzenleistung zugänglich machen.