Vor den Toren des Mikroelektronikwerks von Infineon wird derzeit eine Mülldeponie aus den 1950er-Jahren abgetragen. Der künstlich aufgeschüttete Hügel ist etwa 30 Meter hoch und gilt als eine der aufwendigsten Baustellen in Kärnten. Die Arbeiten liefen bereits seit Ende März; was sichtbar zutage tritt, ist vornehmlich Hausmüll und Bauschutt aus dem vorigen Jahrhundert – Kunststoffverpackungen zeigen, dass nicht alles verrottet ist.
Arbeitsweise und Sicherheitsvorkehrungen
Die Abtragung erfolgt sehr kontrolliert und schrittweise: Das Sanierungsteam hat das Gelände in 32 Bauabschnitte gegliedert. Jeder Abschnitt wird nach Angaben der Projektleitung für jeweils 14 Tage belüftet, bevor weitergearbeitet wird. Täglich werden rund 2.000 Tonnen Material in eine eigens errichtete Sortieranlage transportiert, wo Abfälle getrennt und ordnungsgemäß deponiert werden.
„Es gibt 32 Bauabschnitte und jeder dieser einzelnen Abschnitte wird einmal 14 Tage belüftet. Wir haben natürlich auch chemische Themen. Es gibt da eine chemische Bauaufsicht, die in 500 Tonnen Chargen die ganzen Teile beproben muss. Es muss entschieden werden, auf welche Art von Deponie das überhaupt verbracht werden kann.“
Dieses Zitat stammt von Alfred Winkler, dem Projektleiter der Stadt Villach. Die chemische Bauaufsicht nimmt demnach Proben in Chargengrößen von bis zu 500 Tonnen, um zu klären, wohin die jeweiligen Materialien verbracht werden dürfen. Zusätzlich laufen dauerhafte Messungen im Wasserbereich sowie registrierende Lärmüberwachungen.
Auswirkungen auf das Umfeld
Neben der Sortierung und Probenahme sind auch empfindliche externe Faktoren zu beachten: Im benachbarten Werk von Infineon wurden Sensoren installiert, weil bereits kleinste Erschütterungen Auswirkungen auf die Chipproduktion haben können. Die enge Lage der Baustelle neben einem hochsensiblen Industriebetrieb erhöht die Anforderungen an Planung und Ausführung.
- Höhe der Deponie: ca. 30 Meter
- Tägliche Abtragsmenge: rund 2.000 Tonnen
- Bauabschnitte: 32 mit jeweils 14 Tagen Belüftung
- Stichproben: Proben in 500-Tonnen-Chargen
- Sanierungskosten: etwa 74 Millionen Euro
| Parameter | Angabe |
|---|---|
| Entstehungszeit der Deponie | 1950er-Jahre |
| Abtragsbeginn (laufend) | Ende März (laufendes Jahr) |
| Gesamtkosten | rund 74 Millionen Euro (Bund, Land, Stadt, Infineon) |
Offene Fragen und historische Funde
Trotz umfassender Planung bleibt ein Unsicherheitsfaktor: Was genau in den tieferen Schichten der Deponie verborgen liegt, ist nicht vollständig bekannt. Zeitzeugen, die das Gelände vor Jahrzehnten nutzten oder Anlieferungen erlebten, können Hinweise liefern, doch die Sanierungsarbeiten werden erst nach und nach klären, welche Materialien im Untergrund liegen und wie sie zu behandeln sind.
Für Anrainer und Arbeitnehmer in der Umgebung sind vor allem Lärm, mögliche Emissionen und die Zuverlässigkeit der Mess- und Kontrollsysteme relevant. Die Verantwortlichen betonen, dass dauerhaft überwacht und beprobt wird, um Risiken für Mensch und Umwelt zu minimieren. Die Finanzierung des Projekts teilen Bund, Land, Stadt Villach und das Unternehmen Infineon.
Die laufende Maßnahme ist ein Beispiel für die komplexe Aufgabe, historische Abfalldeponien in dicht genutzten Industrie- und Wohngebieten zu sanieren: technisch aufwendig, teuer und mit erheblichem Planungsaufwand verbunden — mit unmittelbarer Bedeutung für die Betriebssicherheit der Nachbarn und die Umweltqualität in Villach.