Kontext und Forderung
Der demokratische US-Abgeordnete Jamie Raskin hat die FIFA und ihren Präsidenten Gianni Infantino offiziell aufgefordert, detaillierte Auskünfte über Kontakte mit der aktuellen US-Regierung vorzulegen. Raskin setzt der FIFA eine Frist bis zum 9. August und verlangt daneben, dass Infantino vor den US-Justizausschuss geladen wird, sollte dies erforderlich sein.
„Es ist Zeit, der Korruption in der FIFA die Rote Karte zu zeigen“
Vorwürfe und Beispiele
In seiner Aussendung listet Raskin mehrere Vorgänge auf, die aus Sicht seines Büros einen besonderen Einfluss zugunsten von Präsident Donald Trump nahelegen könnten. Dabei werden exemplarisch folgende Punkte genannt:
- Ein eigens geschaffener FIFA-Friedenspreis, der an Präsident Trump überreicht worden sein soll.
- Ereignisse rund um die Handhabung einer Spielberechtigung des US-Stürmers Folarin Balogun während der WM, einschließlich einer angeblichen Intervention, die eine Spielteilnahme ermöglicht habe.
- Eine von der FIFA angemietete Bürolösung im Trump Tower mit jährlichen Kosten von rund 600.000 US-Dollar.
Konsequenzen und mögliche nächste Schritte
Raskin fordert neben Finanz- und Geschenklisten auch Einsicht in Besucherlisten aus FIFA-Büros in Miami und New York. Sollte die politische Lage in Washington sich ändern – namentlich durch einen möglichen Mehrheitswechsel im Repräsentantenhaus bei den Zwischenwahlen im November – könnte Raskin selbst zum Vorsitzenden des Justizausschusses aufsteigen. In diesem Fall hätte er erheblich größere formelle Befugnisse, um Vorladungen und weitergehende Untersuchungen durchzusetzen.
Institutioneller Rahmen
US-Kongressuntersuchungen gegen internationale Sportorganisationen bewegen sich an der Schnittstelle von Außenpolitik, Recht und Sportgovernance. Die Forderungen richten sich an eine private internationale Organisation, doch die Einbindung von US-Behörden und Parlamentariern kann materielle Folgen haben, etwa durch Druck auf Sponsoren, Geschäftsbeziehungen oder durch straf- und zivilrechtliche Ermittlungen, sofern sich Anhaltspunkte für Gesetzesverstöße finden.
| Frist / Punkt | Angabe |
|---|---|
| Auskunftsfrist | 9. August |
| Angemietete Bürofläche | ~600.000 USD/Jahr |
| Geforderte Unterlagen | Geldtransfers, Geschenke, Besucherlisten |
Folgen für FIFA und Infantino
Die öffentlichen Vorwürfe erhöhen den Druck auf die FIFA-Führung. Selbst wenn die Organisation formell nicht der US-Hoheit unterliegt, können parlamentarische Untersuchungen in den USA weitreichende Reputationsschäden verursachen und Geschäftsbeziehungen belasten. Für Infantino bedeutet die Aufforderung zur Zeugenaussage vor dem Justizausschuss eine erhebliche institutionelle Belastung, unabhängig davon, ob strafrechtliche Vorwürfe konkretisiert werden.
Es bleibt abzuwarten, ob die FIFA die verlangten Informationen innerhalb der gesetzten Frist liefert und ob der US-Kongress weitere Schritte unternimmt. Für Infantino und seine Kritiker steht viel auf dem Spiel: die Glaubwürdigkeit der FIFA und die Frage, inwieweit private oder politische Interessen die Entscheidungen des Weltfußballverbands beeinflusst haben könnten.