Zwei Jahre nach dem Beschluss des Landtags zur Verbesserung der Betreuung von Menschen mit ME/CFS und Long Covid hat das Thüringer Gesundheitsministerium auf eine parlamentarische Anfrage mitgeteilt, dass bislang kein spezialisiertes Ärzteverzeichnis existiert und auch keine Öffentlichkeitskampagne vorgesehen sei. Die Antwort geht aus der Auskunft an die Linke-Abgeordnete Lena Saniye Güngör hervor.
Was die Landesregierung sagt
In seiner Stellungnahme erklärt das Ministerium, dass ein entsprechendes Verzeichnis derzeit nicht vorliegt und dass eine Aufklärungskampagne "nicht angedacht" sei. Zugleich weist die Behörde darauf hin, dass für die Umsetzung von Maßnahmen noch "diverse Vorarbeiten" erforderlich seien. Konkrete Zeithorizonte oder Schritte zur Umsetzung nennt das Ministerium nicht.
"Ein Ärzteverzeichnis besteht derzeit nicht"
Hintergrund: Warum das Thema wichtig ist
ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) gilt als schwere Erkrankung, die häufig nach Infektionen auftritt. Unter dem Begriff Long Covid werden Beschwerden zusammengefasst, die sich vier Wochen nach einer Corona-Infektion halten oder neu auftreten; bei andauernden Symptomen über zwölf Wochen spricht man von Post Covid. Beide Krankheitsbilder sind geprägt von ausgeprägter Erschöpfung, die das tägliche Leben massiv einschränken kann. Betroffene schildern oft, dass bereits kurze Alltagsaktivitäten zu langandauernder Erschöpfung führen.
Der Beschluss aus dem Landtag
Der Landtag hatte im März 2024 einen umfassenden Antrag verabschiedet, der die Landesregierung anleitete, mehrere Maßnahmen zur Unterstützung der Betroffenen umzusetzen. Der Antrag war ursprünglich von der FDP eingebracht und mit großer Mehrheit angenommen worden. Er forderte unter anderem verbesserte Versorgungsstrukturen und mehr Sensibilisierung für die speziellen Probleme von Menschen mit ME/CFS und Long Covid.
Folgen für Betroffene und Versorgung
Ohne ein zentrales Verzeichnis spezialisierter Ärztinnen und Ärzte bleiben Betroffene häufig auf sich gestellt: Die Suche nach fachlich versierter Anlaufstellen ist aufwendig, Informationsstände variieren regional stark. Ebenso kann das Fehlen einer Informationskampagne dazu führen, dass die Erkrankungen in der Öffentlichkeit und im Gesundheitssystem weiterhin unzureichend wahrgenommen werden, was Zugang zu Diagnostik und Behandlung erschwert.
- Fehlendes Register: Keine zentrale Übersicht über Ansprechpartner in Thüringen.
- Keine Kampagne: Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung ist bislang nicht geplant.
- Umsetzung unklar: Ministerium nennt weitere Vorarbeiten ohne konkrete Zeitangaben.
Kurzinfo: Begriffsklärung
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Long Covid | Beschwerden, die vier Wochen nach einer Corona-Infektion andauern oder neu auftreten. |
| Post Covid | Spätfolgen, die über zwölf Wochen andauern. |
Die Mitteilung aus dem Thüringer Gesundheitsministerium wirft grundlegende Fragen zur Umsetzung politischer Beschlüsse in konkrete Versorgungsangebote auf. Für Betroffene bleibt die Lage angespannt: Ohne klare Strukturen und öffentliche Sensibilisierung ist die Gefahr groß, dass die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit ME/CFS und Long Covid weiterhin übersehen werden.