Der großflächige Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmen birgt nach Einschätzung der Boston Consulting Group (BCG) nicht nur Effizienzgewinne, sondern auch das Risiko eines systematischen Fähigkeitsverlusts bei Mitarbeitenden. Laut der Studie befürchten mehr als 60 Prozent der befragten Führungskräfte einen substantiellen Abbau wichtiger Kompetenzen.
Welche Fähigkeiten stehen auf dem Spiel?
Die Untersuchung identifiziert insbesondere vier Kernbereiche, die durch routinemäßige Auslagerung an KI beeinträchtigt werden können:
- Urteilsvermögen und Entscheidungsfähigkeit
- Problemlösungskompetenz
- kreatives sowie kausales Denken
- Analytische Routinefertigkeiten
BCG-Experten warnen, dass Nachwuchskräfte ohne ausreichende Übung in solchen Aufgaben langfristig nicht die nötige Basis erwerben, um später komplexe, kapitalintensive Projekte verantwortet zu führen.
Praktische Schutzmaßnahmen in Unternehmen
Die Studie schlägt konkrete Gegenstrategien vor, mit denen Betriebe dem sogenannten "Distributed De‑skilling" begegnen können. Dazu zählen unter anderem:
- Der Ensemble-Ansatz: Mensch und KI arbeiten zunächst unabhängig, bevor Ergebnisse kombiniert werden.
- KI‑freie Zonen oder Aufgaben, die bewusst ohne Assistenz durch KI bearbeitet werden müssen.
- Strukturelle Anforderungen an die Ausbildung junger Mitarbeitender, etwa durch verpflichtende, KI‑freie Voranalysen.
Als praktisches Beispiel nennt die Studie den Energiekonzern Shell, wo Junior‑Mitarbeiter Probleme zuerst eigenständig strukturieren und analysieren müssen, bevor KI‑Tools eingesetzt werden dürfen.
„Wenn wir den jungen Kolleginnen und Kollegen nicht die Möglichkeit geben, im Kleinen KI‑frei Entscheidungen zu treffen, dann haben wir das Problem, dass wir in fünf oder zehn Jahren ... nicht die richtige Entscheidungsbasis haben.“
Folgen für Unternehmen und Ausbildung
Die Implikationen sind weitreichend: Schwächer ausgeprägte Urteils- und Problemlösefähigkeiten betreffen Risikomanagement, Innovationskraft und langfristige strategische Entscheidungen. Die Studie betont, dass KI per se nicht kreativ agiert, sondern eher zu einer Normierung von Ergebnissen führen kann — ein Faktor, der Innovationsprozesse dämpfen könnte.
Gleichzeitig bleiben Fähigkeiten, die auf zwischenmenschlicher Interaktion beruhen — etwa Empathie, aktives Zuhören und soziale Einflussnahme — weitgehend unersetzlich. Diese Kompetenzen gewinnen damit an Bedeutung für Arbeitgeber, die resilientere Teams formen wollen.
| Aspekt | Bewertung / Empfehlung |
|---|---|
| Gefährdete Kompetenzen | Urteilskraft, Problemlösen, kreatives Denken |
| Empfohlene Maßnahmen | Ensemble‑Ansatz, KI‑freie Bereiche, Ausbildungspflichten |
| Rolle für Führungskräfte | Gestalten von Lernumgebungen, Schutz kritischer Lernpfade |
Für österreichische Firmen bedeutet das: Die Einführung von KI darf nicht nur aus Effizienzgesichtspunkten beurteilt werden. Personalentwicklung, Ausbildungsprogramme und Führungskonzepte müssen neu gedacht werden, damit langfristig die operative und strategische Handlungsfähigkeit erhalten bleibt.