Eine aktuelle Untersuchung der City St George’s University of London vom 12. Juli 2026 wirft ein neues Licht auf die Debatte um Arbeitszeit, Leistungsfähigkeit und beruflichen Aufstieg. Die Studie, in die rund 51.000 Beschäftigte aus 36 europäischen Staaten einbezogen wurden, kommt zu dem Ergebnis, dass Mehrarbeit auf lange Sicht eher hinderlich für die Karriereentwicklung ist.
Kernerkenntnis und Bedeutung
Die Forschenden fanden Hinweise darauf, dass dauerhaft geleistete Überstunden nicht zu nachhaltigem Karrierefortschritt führen. Stattdessen begünstigen sie langfristig einen verlangsamten beruflichen Aufstieg. Als förderlich für Leistung und Belastbarkeit treten dagegen strategische Arbeitsweisen hervor: Priorisierung, gezielte Delegation und Entscheidungsfreiheit am Arbeitsplatz.
Was die Ergebnisse für Beschäftigte und Arbeitgeber bedeuten
Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Führungskräfte ergeben sich daraus mehrere praktische Schlussfolgerungen: Kurzfristiges Mehrarbeiten mag Ergebnisse bringen, doch für die langfristige Karriereplanung sind andere Faktoren entscheidender. Autonomie am Arbeitsplatz wirkt laut Studie als entscheidender Puffer gegen Stress und fördert die Leistungsfähigkeit.
- Priorisierung gilt als effektiver als bloßes Verlängern der Arbeitszeit.
- Delegation schützt vor Überlastung und unterstützt nachhaltige Produktivität.
- Entscheidungsfreiheit reduziert Stress und trägt zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit bei.
Politische und betriebliche Reaktionen
Die Studie steht nicht allein: Auf institutioneller Ebene reagieren Behörden und Fachstellen ebenfalls. Ein Handbuch der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) greift verwandte Themen auf und zielt darauf ab, gesundheitliche Risiken durch Arbeitsbelastung zu mindern. Damit stehen evidenzbasierte Empfehlungen für Arbeitsgestaltung zunehmend auch in der politischen und regulatorischen Diskussion.
„Strategisches Arbeiten mit Priorisierung und Delegation sei erfolgreicher als die oft propagierte ‚Hustle Culture‘.“
Konkrete Folgen und offene Fragen
Die Studie legt nahe, dass betriebliche Maßnahmen, die Autonomie fördern und langfristige Arbeitsfähigkeit schützen, sowohl individuelle Karrierechancen verbessern als auch gesundheitliche Belastungen reduzieren können. Offen bleibt, wie sich diese Erkenntnisse in verschiedenen Branchen und Berufsgruppen konkret umsetzen lassen — insbesondere in systemrelevanten Bereichen mit hoher Arbeitsintensität. Hier sind praxisnahe Modelle zur Arbeitsteilung, klare Prioritätensetzung und psychosoziale Unterstützung gefragt.
| Aspekt | Studienbefund |
|---|---|
| Stichprobe | 51.000 Beschäftigte, 36 Länder |
| Zentrale Empfehlung | Priorisierung, Delegation, Autonomie statt dauerhaftem Mehrarbeiten |
Für politische Entscheidungsträger, Personalverantwortliche und Gesundheitsexperten bietet die Studie eine fundierte Grundlage, um Maßnahmen zur Prävention beruflich bedingter Belastungen zu planen. Zugleich unterstreicht sie, dass Lösungen nicht allein in der Reduktion von Stunden, sondern in einer strukturierten und gesundheitsorientierten Arbeitsorganisation liegen. Als Redaktion beobachten wir, wie sich Unternehmen und Behörden in Österreich diesen Empfehlungen nähern.