In Wien verzeichnen Suchthilfestellen eine deutliche Zunahme an Hilfegesuchen im Zusammenhang mit Kokain. Fachleute sehen neben einem größeren Angebot auch sinkende Preise als Gründe für die Ausweitung des Konsums. Gleichzeitig melden Beratungsangebote eine wachsende Nachfrage, besonders von Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Angehörigen. Parallel dazu erschweren tarifierte Einsparungen die Arbeit der Einrichtungen.
Zunahme der Beratungsnachfrage
Der Verein „Dialog“ berichtete, dass immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten sich direkt an Beratungsstellen wenden. Das Spektrum reiche von eigenen Problemen mit Kokain bis hin zu Anfragen im Umfeld betroffener Personen. Auch die Festivalseelsorge am Donauinselfest verzeichnete eine erhöhte Zahl junger Ratsuchender.
"Wir bemerken schon, dass es vermehrt Anfragen von Personen gibt, die ein Problem mit dem Kokainkonsum haben."
Ursachen und soziale Verbreitung
Expertinnen führen den Anstieg unter anderem auf ein breiteres Angebot und günstigere Preise zurück. Zudem werde Kokain als Substanz wahrgenommen, die eine scheinbare Leistungssteigerung biete—zum Beispiel besseren Umgang mit Stress und eine erhöhte Performance—und werde demnach gesellschaftlich über verschiedene Schichten hinweg konsumiert. Diese Aspekte erklären teilweise, warum das Problem nicht auf einzelne Bevölkerungsgruppen beschränkt bleibt.
Prävention und Herausforderungen
Der Verein ist auch in der schulischen Prävention aktiv. Ziel ist es, Lebenskompetenzen zu stärken, damit junge Menschen angemessen auf belastende Situationen reagieren können. Die Präventionsarbeit richtet sich an Schülerinnen und Schüler, Lehrpersonen und Eltern und umfasst Programme zu Substanz- und Verhaltenssüchten.
- Zielgruppen: Jugendliche, junge Erwachsene, Angehörige
- Maßnahmen: Beratung, Angehörigenarbeit, schulische Prävention
- Probleme: steigende Nachfrage bei gleichzeitigen Einsparungen
| Bereich | Situation |
|---|---|
| Beratungsstellen | Wachsende Zahl an Anfragen, besonders von Konsumenten und Angehörigen |
| Prävention | Schulprogramme und Multiplikatorenschulungen, Fokus auf Lebenskompetenzen |
| Finanzierung | Einsparungen erschweren Ausbau und Stabilisierung von Angeboten |
Die Kombination aus wachsender Nachfrage und knapper werdenden Ressourcen birgt das Risiko, dass Betroffene längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen oder niedrigschwellige Angebote wegfallen. Das hätte Folgen für frühe Interventionen und Angehörigenberatung, zwei Bereiche, die nach Einschätzung der Fachleute derzeit besonders gefragt sind.
Konkrete Zahlen zur Häufigkeit der Beratungsanfragen oder zu Einsparvolumina nennt die Quelle nicht. Die Berichte aus der Praxis zeigen jedoch deutlich, dass bestehende Hilfeangebote stärker beansprucht werden: sowohl direkte Konsumentinnen und Konsumenten als auch Personen aus dem Umfeld suchen Unterstützung. Damit rückt die Frage nach ausreichender Finanzierung und personeller Ausstattung der Suchthilfe erneut in den Fokus öffentlicher Debatten.
Langfristig könnten verstärkte Präventionsarbeit und gesicherte Finanzierung dazu beitragen, Risikoverhalten frühzeitig zu erkennen und zu reduzieren. Bis dahin bleibt die Lage für Beratungsstellen wie Dialog angespannt.