Neues Personal auf der traditionsreichen Domplatz-Bühne
Die Eröffnung der Salzburger Festspiele rückt näher, doch schon vor dem offiziellen Auftakt richtet sich der Blick auf den Domplatz: Dort feiert der Jedermann bereits am kommenden Samstag seine Premiere. In der Titelrolle steht zum dritten Mal Philipp Hochmair auf der Freiluftbühne; neu ist in dieser Spielzeit die Besetzung der Buhlschaft mit der 33-jährigen Schauspielerin Roxane Duran.
Zwischen Filmkarriere und Bühnenzauber
Roxane Duran, die ihre Laufbahn als junge Schauspielerin in Michael Hanekes Film Das weiße Band begann, ist vor allem aus Kino und Fernsehen bekannt. Der Wechsel auf den Domplatz bedeutet für sie eine Rückkehr zu einer anderen Ausdrucksform: Die Inszenierung unter Regisseur Robert Carsen legt verstärktes Gewicht auf Musik und Tanz, ein Zugang, der der neuen Buhlschaft den Einstieg in die Rolle erleichtere und ihr Raum für emotionale Nuancen biete.
„Er gibt uns die Möglichkeit, ein Stück weit in die Emotionen hineinzufließen. Ich finde, das verleiht diesem Stück noch einmal eine ganz andere Dimension.“
Dieses Zitat aus dem Ensemblegespräch verweist auf die choreografische Ausrichtung — unter anderem mit markanten Tango-Elementen — die Carsens Version des Stücks prägt und die Figurenbeziehungen neu akzentuiert.
Weitere Umbesetzungen im Ensemble
Roxane Duran ist nicht die einzige Neuerung in diesem Jahr: Kurzfristig sprang Meike Droste in eine Doppelrolle als Armer Nachbar und Jedermanns Werke ein. Ebenfalls neu im Ensemble ist Daniela Ziegler. Solche Wechsel sind auf einer traditionsreichen, öffentlich wirkenden Bühne nicht ungewöhnlich, verändern jedoch die Dynamiken auf der Freilichtbühne spürbar.
- Philipp Hochmair – Jedermann (3. Mal in der Rolle)
- Roxane Duran – Buhlschaft (neu)
- Meike Droste – Armer Nachbar / Jedermanns Werke (Kurzfristig eingesprungen)
- Daniela Ziegler – neu im Ensemble
Domplatz als eigener Spielraum
Die besondere Atmosphäre des Domplatzes als Spielstätte wird in den Stellungnahmen der Darstellenden wiederholt betont: Die Kombination aus historischer Kulisse, akustischer Offenheit und dem unmittelbaren Kontakt zum Publikum verlangt eine eigene Präsenz und bietet zugleich Möglichkeiten, das bekannte Stück sinnlich neu zu befragen. Die Entscheidung, verstärkt auf Musik und Tanz zu setzen, scheint bewusst gewählt, um den vertrauten Text in Bewegung und Klang zu denken.
| Aspekt | Konsequenz für die Aufführung |
|---|---|
| Neue Buhlschaft | Frischer Zugriff auf die Figur durch filmische Erfahrung und tänzerische Elemente |
| Verstärkte Musik/Tanz-Elemente | Emotionale Verdichtung, neuer Sinn für Rhythmus und Bewegung |
| Kurzfristige Umbesetzungen | Veränderte szenische Dynamik, Anpassungsleistung des Ensembles |
Obgleich die Traditionspflege ein zentrales Anliegen der Salzburger Festspiele bleibt, markieren solche personellen Veränderungen und stilistischen Akzente die stete Erneuerung einer Produktion, die seit Jahrzehnten Publikum und Kritik in Atem hält. Die Premiere auf dem Domplatz wird zeigen, wie sich diese neue Lesart des bekannten Stoffes in der Praxis auswirkt und welche Impulse sie für die laufende Festspielzeit setzen kann.