Großfund bei Grabungen für Umfahrung: Keramikproduktion aus der Römerzeit
Bei Ausgrabungen im Rahmen der Bauvorbereitung für die neue Brücke im Bereich der Umfahrung von Burg haben Archäologinnen des Instituts für klassische Archäologie der Universität Wien eine bislang in dieser Dimension ungewöhnliche Produktionsstätte für Keramik entdeckt. Untersucht wurde ein rund sechs Hektar großes Feld; die Feldarbeiten umfassten geomagnetische Prospektion und anschließend eine mehrwöchige Lehrgrabung.
Die Grabungsleitung meldet die Freilegung von insgesamt mindestens zwei großen und einem kleineren Brennofen. Die Befunde deuten darauf hin, dass sich auf dem Areal vermutlich noch weitaus mehr Öfen befanden: Archäologinnen gehen von etwa 100 weiteren Ofenstandorten aus. Bisher wurden mehr als eine Tonne an Keramikmaterial geborgen und katalogisiert.
- Fundstoff: Teller, Becher, Dolia und weitere gebrauchstypische Keramik.
- Datierung: Funde aus dem 1. und 2. Jahrhundert n. Chr.
- Untersuchungsfläche: rund 6 Hektar.
„Wir haben zwei große Keramiköfen und einen kleinen entdeckt, vermutlich gibt es rund 100 weitere am Areal. Bislang wurden über eine Tonne an Material gefunden.“
Die beteiligten Fachleute bewerten die Entdeckung als Hinweise auf eine großindustrielle Produktion von Gebrauchsgefäßem während der römischen Kaiserzeit. Hinweise sprechen dafür, dass die Rohmaterialien lokal gewonnen wurden und die Arbeitskräfte vornehmlich an diesem Produktionsort tätig waren, ohne dass sich nennenswerte Siedlungen unmittelbar anschlossen.
Bedeutung für Forschung und Region
Laut einer involvierten Archäologin ist die Masse und Qualität des Materials im österreichischen Vergleich bemerkenswert. Die gut erhaltenen Alltagskeramiken liefern nicht nur Rückschlüsse auf Produktionstechniken, Brennöfen und Handelswege der Region in der Antike, sondern können auch bei der Restaurierung und Vermittlung örtlicher Geschichte eine Rolle spielen.
Für die laufenden Infrastrukturmaßnahmen bedeutet der Fund, dass archäologische Untersuchungen künftig stärker in die Planungs- und Genehmigungsprozesse eingebunden werden müssen. Fundlandschaften dieser Größenordnung erfordern eine sorgfältige Dokumentation und konservatorische Maßnahmen, bevor Baumaßnahmen fortgesetzt werden können.
Was als Nächstes geplant ist
Die Lehrgrabung, an der Studierende beteiligt waren, lief bis Anfang August; die Funde werden weiterhin katalogisiert und ausgewertet. Ob und in welchem Umfang sich weitere großflächige Untersuchungen anschließen, hängt von den laufenden Analysen und der Abstimmung mit Denkmalbehörden und Bauverantwortlichen ab. Für die Anrainerinnen und Anrainer bedeutet dies, dass sich Zeitpläne für Bauarbeiten verschieben können, zugleich eröffnet der Fund neue Vermittlungs- und Forschungschancen für den Bezirk.
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Untersuchungsfläche | 6 Hektar |
| Gefundene Öfen | 2 große, 1 kleiner (plus vermutl. ~100 weitere) |
| Geborgenes Material | über 1 Tonne |
| Datierung | 1.–2. Jahrhundert n. Chr. |
Die Entdeckung in Burg unterstreicht die Bedeutung des Bezirks als Fundlandschaft für römische Wirtschaftsarchäologie und macht zugleich deutlich, wie eng wissenschaftliche Bodendenkmalpflege und kommunale Infrastrukturplanung verknüpft sind.